Extremus bietet Terrorschutz im Ausland

Spezialversicherer lockert Beschränkung auf deutsche Risiken · Wirtschaft kritisiert sprunghafte Assekuranz

Von Herbert Fromme, Bonn Der Terror-Spezialversicherer Extremus bereitet die Deckung von Auslandsrisiken für deutsche Industriekunden vor. Das sagte Vorstandsmitglied Dirk Harbrücker der Financial Times Deutschland. Damit kommt Extremus der Industrie entgegen, die vehement die Beschränkung auf deutsche Risiken kritisiert hatte.

„Wir haben relativ wenig Abschlüsse mit der verarbeitenden Industrie vorzuweisen“, sagte Harbrücker. „Die fehlende Auslandsdeckung ist einer der Gründe dafür.“ Für dieses Geschäft müsse Extremus aber eine komplett neue Deckungsschiene neben der bestehenden staatlich gestützten Terrordeckung aufbauen, sagte Harbrücker. „Der Bund will sich an Auslandsdeckungen nicht beteiligen.“

Der von 16 Versicherern im September 2002 gegründete Spezialversicherer Extremus kann Terrorschäden bis insgesamt 13 Mrd. Euro abdecken, gibt diese Risiken (und die Prämie) aber fast vollständig an andere Versicherer und den Staat weiter, der mit bis zu 10 Mrd. Euro haftet.

Vor allem für multinationale Konzerne ist die rein deutsche Extremus-Lösung wenig attraktiv. Ein Terrorschaden bei einem ausländischen Teilbetrieb kann auch in Deutschland Produktionsstätten stilllegen. Extremus will seinen deutschen Kunden jetzt für Länder, in denen keine nationalen Versicherungslösungen bestehen, den Abschluss von Terrordeckungen ermöglichen. Bei Schäden in Ländern wie Frankreich oder Großbritannien, in denen es Spezialversicherer gibt, bietet Extremus dann die Versicherung von so genannten Rück-und Wechselwirkungen an. „Bringt ein Terroranschlag im Ausland die Produktion im Inland zum Erliegen, würde diese Deckung greifen, auch wenn der ausländische Betrieb selbst im Rahmen des englischen oder französischen Pools versichert ist“, sagte er.

Der Spezialversicherer reagierte mit der Ankündigung auf Kritik des Deutschen Versicherungs-Schutzverbandes (DVS), der mehr als 3000 Betriebe und Gemeinden in Versicherungsdingen vertritt. Günter Schlicht, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des DVS, kritisierte bei der gestrigen Mitgliederversammlung des Verbandes erneut die mangelnde Flexibilität bei Auslandsrisiken und die hohen Preise bei Extremus.

Nach Schlichts Worten sind die Beziehungen zwischen Assekuranz und Industrie ohnehin alles andere als einfach. Nach dem 11. September hatten die Versicherer die jahrelang heruntergewirtschafteten Märkte für industrielle Sach-und Haftpflichtversicherung mit der Brechstange saniert. „Jahrelange Fehlentwicklungen sollen innerhalb kurzer Zeit mit Gewalt korrigiert werden“, kritisierte Schlicht. Im Grundsatz seien die Kunden nicht gegen den Versuch der Industrieversicherer, ihr Geschäft auf eine gesunde Basis zu stellen. „Wir kritisieren die Volatilität der Industrieversicherung oder anders gesagt die Unreife des Marktes.“

Schlicht zeigte sich besonders verärgert darüber, dass die Versicherer auf Vorgabe der Allianz eine Reihe von Branchen als kritisch einstuften, andere sogar ganz sperrten. Schwierigkeiten hatten zum Beispiel die Holz und Papier verarbeitenden Branchen oder Entsorgungsbetriebe. Im Herbst 2002 habe es die Gefahr eines echten Deckungsnotstandes gegeben. „In letzter Minute ist es gelungen, das Schlimmste abzuwenden.“

Auch in der Haftpflichtversicherung habe die Nervosität der Versicherer „deutliche Spuren hinterlassen“. Vor allem die Pharmaindustrie leide unter drastischen Prämienanhebungen mit einer gleichzeitigen Erhöhung der Selbstbehalte. Auch Kfz-Zulieferer und Krankenhäuser waren von dem harten Kurs betroffen.

Die Situation werde durch die stete Ausdehnung der Haftung für Unternehmen durch den Gesetzgeber verschärft. Schlicht warnte vor den Konsequenzen der von der EU geplante Umwelthaftungsrichtlinie. „Die Richtlinie sieht unter anderem einen Ausgleich für Schäden an der biologischen Vielfalt, der so genannten Biodiversität vor“, sagte er. „Zugleich wird die Einführung einer Pflichtversicherung zur Absicherung dieser Ansprüche diskutiert.“ Das unterstütze auch die Bundesregierung. „Hier befindet man sich wirklich auf dem falschen Weg“, sagte Schlicht. Die Wirtschaft müsse eine Deckung nachweisen, aber die Assekuranz könne das Risiko ohne Eingrenzung und Konkretisierung der im Schadenfall zu zahlenden Sanierungen nicht versichern. Dadurch entstünden unübersehbare Haftungsrisiken.

Bild(er):

Die Pharmaindustrie – hier Bayer in Leverkusen – beklagt hohe Prämien – vario-press.

Quelle: Financial Times Deutschland


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