Mannheimer muss Hauptversammlung verschieben

Kapitalerhöhung und Rückversicherungslösung noch nicht in trockenen Tüchern · BaFin-Zustimmung nötig

Von Herbert Fromme, Köln Die Mannheimer Holding, Muttergesellschaft der angeschlagenen Versicherungsgruppe, hat ihre für den 24. Juni vorgesehene Hauptversammlung (HV) verschoben. Nach Angaben aus Versicherungskreisen dauert es noch bis zu vier Wochen, bis eine tragfähige Lösung für die Probleme des Unternehmens gefunden ist. Zu einer HV am 24. Juni hätte die Mannheimer sechs Wochen vorher – das wäre gestern gewesen – einladen und dabei die Einzelheiten der zur Abstimmung stehenden Kapitalerhöhung nennen müssen.

Zurzeit wird um diese Details und eine parallel dazu gesuchte Rückversicherungslösung gerungen. Dabei übernehmen ein oder mehrere Rückversicherer Risiken der Mannheimer und finanzieren künftige Gewinne vor. Bei beiden Ansätzen ist die Münchener Rück, die zehn Prozent der Aktien hält, führend beteiligt.

„Allgemein gibt es wenig Neigung bei den Aktionären, einfach einen Batzen Geld in die Kapitalerhöhung zu tun“, sagte ein Insider. Allerdings ist das Gesamtkonzept noch lange nicht in trockenen Tüchern – intensive Gespräche werden vor allem mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) geführt.

Die Aktionäre wünschen sich neben der Zustimmung zu ihren Maßnahmen, dass die BaFin der Mannheimer zur Problemlösung auch die Nutzung der letzten noch vorhandenen Puffer in der Bilanz gestattet, darunter der Rückstellung für den Schlussgewinnanteil. Weil all das noch offen ist, kann Mannheimer-Chef Hans Schreiber noch keine Summe oder auch nur Spanne für die nötige Kapitalerhöhung nennen. Ihre Höhe wird wesentlich von der Einigung über die sonstigen Rettungsmaßnahmen abhängen.

Schreiber sagte der FTD gestern, es gebe inzwischen eine Perspektive für den Konzern, die von den großen Aktionären getragen werde. Größter Anteilseigner ist der österreichische Uniqa-Konzern mit 12,9 Prozent. Neben der Münchener Rück sind weitere sechs Versicherer beteiligt, halten aber nur knapp je fünf Prozent.

Monatelang hatte Schreiber einen starken Partner für die Mannheimer gesucht. Intensive Verhandlungen führte er vor allem mit Uniqa-Chef Konstantin Klien. Aber Klien sagte schließlich ab – ein neuer Interessent fand sich nicht. „Wir haben die drei Optionen Fusion, Teilfusion oder Kapitalerhöhung untersucht und uns für die Kapitalerhöhung entschieden“, sagte Schreiber.

Die Mannheimer wurde schwer von der Aktienkrise getroffen. Schon für 2002 hatte die Tochtergesellschaft Mannheimer Leben deshalb einen Verlust von 60 Mio. Euro melden müssen. Sie benötigte 90 Mio. Euro frisches Geld von der Konzernmutter Mannheimer Holding, um den Kollaps zu vermeiden. Das Neugeschäft mit Kapitallebensversicherungen wurde eingestellt, die Bestandskunden erhalten nur noch den Garantiezins von 3,25 bis 4,0 Prozent. 2003 wird nach Berechnungen des Konzerns noch schlimmer. Kommt es nicht zu einer dramatischen Erholung der Kapitalmärkte, rechnet die Mannheimer Leben für 2003 mit einem Verlust von 250 Mio. Euro. Das könnte auch die Holding nicht mehr ausgleichen.

Findet der Konzern keine rasche Lösung für seine Probleme, riskiert er die Einsetzung eines Beauftragten durch die BaFin, der den Vorstand der Lebens-Tochter ersetzt, sowie die Übertragung des Bestandes an den Spezial-Krisenversicherer Protektor. Den hat die Branche gegründet, um die Kundenverträge von Not leidenden Unternehmen abzuwickeln.

Allerdings will die Versicherungsbranche möglichst verhindern, dass Protektor tatsächlich tätig werden muss. „Die Resonanz auf einen kollabierten Lebensversicherer wäre verheerend“, sagte ein Manager. Auch deshalb sieht sich die Münchener Rück in der Pflicht, aktiv zur Rettung der Mannheimer beizutragen.

Nach Angaben Schreibers hat die Mannheimer ihren Aktionären auch ein Konzept zur Kostensenkung und Zukunftssicherung vorgelegt. Bisher dezentral organisierte Verwaltungsaufgaben sollen künftig konzentriert werden. „Bis Mitte oder Ende 2004 wollen wir die Belegschaft um 15 Prozent reduzieren“, sagte er. Außerdem würden die Fokussierung auf bestimmte Produktlinien in der Lebensversicherung und der Ausbau der erfolgreichen Bereiche in der Schaden-und Unfallversicherung weiter forciert.

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Hans Schreiber steht das Wasser bis zum Hals. Der Chef der Mannheimer Holding kämpft um das Überleben des Versicherungskonzerns – FTD-Montage/Thomas Lehne; Mannheimer Versicherung.

Quelle: Financial Times Deutschland


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