Oetker-Schifffahrtstochter expandiert in Asien

Ergebnis der Reederei Hamburg Süd schrumpft deutlich

Von Herbert Fromme, Hamburg Die Reederei Hamburg Süd leidet unter dem Ungleichgewicht im Welthandel. „Die Schiffe, die von Nord nach Süd fahren, sind nur zu 50 Prozent gefüllt, die von Süd nach Nord sind voll“, sagte Vorstandschef Klaus Meves. Das ist eine Konsequenz der erst langsam überwundenen Wirtschaftskrise in Lateinamerika. Die Folge: Um 2002 nur drei Prozent mehr Container zu befördern, musste der Reeder elf Prozent mehr Schiffskapazität einsetzen. Insgesamt wurden 775 000 Standardcontainer transportiert.

Zusammen mit dem steigenden Kurs des Euro, niedrigen Frachtraten – den Preisen für die Beförderung – und den hohen Treibstoffkosten wirkt sich das negativ auf den Ertrag aus. Meves sagte, die Oetker-Tochter habe einen „deutlichen Ergebnisrückgang“ gespürt, das werde 2003 wohl noch weitergehen. Allerdings mache das Unternehmen auch im laufenden Jahr Gewinn. Genaue Zahlen wollte er nicht nennen. Wie auch der Mutterkonzern macht die Schifffartstochter traditionell keine Angaben zum Ergebnis.

Trotz des Drucks auf den Ertrag expandiert das Unternehmen kräftig. Anfang April übernahm Hamburg Süd sieben Liniendienste des taiwanischen Reeders Kien Hung. Auf den Routen befördern 20 Schiffe jährlich rund 280 000 Standardcontainer. Erst vor wenigen Monaten hatte Meves die Ellerman-Linien von der britischen Reederei Andrew Weir gekauft. Das Unternehmen investiert auch heftig in neue Schiffe. Sechs Containerriesen mit Kapazität für 4100 Standardcontainer entstehen auf der Daewoo-Werft in Südkorea. Außerdem kauft Hamburg Süd neue Container, vor allem solche mit eingebauten Kühlaggregaten für Fleisch-und Obsttransporte. „Insgesamt will Oetker in drei Jahren rund 500 Mio. Euro in die Schifffahrt investieren“, sagte Meves, der Mitglied der Oetker-Konzernleitung ist. Die Reederei setzt im Hauptgeschäftsfeld Container 46 Schiffe ein. Außerdem fahren 60 Massengutfrachter und Tanker für die Oetker-Tochter.

Hamburg Süd ist neben Hapag-Lloyd die führende deutsche Linienreederei. Aber während die größere Konkurrentin die Rennstrecken der Seeschifffahrt zwischen Europa, Nordamerika und Asien bedient, hat sich Hamburg Süd seit Jahrzehnten auf die Nord-Süd-Verbindungen spezialisiert: Europa-Lateinamerika, USA-Lateinamerika, USA-Australien und ähnliche Routen. Der Verkehr innerhalb Asiens und zwischen Nordasien und Lateinamerika gewinnt dabei zunehmend an Gewicht – deshalb der Zukauf in Taiwan. „In China haben die Häfen Zuwachsraten von 25 Prozent im Jahr“, sagte Meves. Bisher sei kein Einfluss der SARS-Epidemie auf das Volumen feststellbar.

Der Umsatz der Reedereigruppe ging 2002 um zwölf Prozent auf 1,73 Mrd. Euro zurück. „Das ist teilweise eine Folge des niedrigen Dollar-Kurses.“ Ein großer Teil der Kosten falle aber ebenfalls in Dollar an, so Meves. Zurzeit gebe es Anzeichen für eine leichte Erholung bei den Preisen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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