Standard & Poor’s sieht weitere Herabstufungen für Assekuranz

Rating-Agentur erteilt Aufbruchstimmung Dämpfer

Von Herbert Fromme, Köln Die Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) erwartet eine weitere Verschlechterung der Finanzkraft deutscher Versicherungsunternehmen. Das gelte für Erst-und Rückversicherer, sagte S&P-Direktor Wolfgang Rief auf einer Fachtagung in Köln. Schlechtere Ratings erschweren den Versicherern, lukrative Verträge mit Kunden abzuschließen.

Damit widersprach Rief prominenten Branchenvertretern. Topmanager hatten zuletzt die Krise der Assekuranz für überwunden erklärt. S&P ist mit Moody’s und AM Best die weltweit einflussreichste Rating-Agentur. „Wir sehen eine stärkere Polarisierung unter Lebensversicherern“, sagte Rief. „Dabei werden Vertriebsstärke, Kapitalkraft und finanzielle Flexibilität entscheidend sein.“

Auch die deutschen Rückversicherer betrachtet S&P trotz einiger positiver Zeichen weiterhin mit negativem Ausblick, sagte Rief. Die Finanzmärkte seien nach wie vor volatil und Kapitalkraft sowie finanzielle Flexibilität der Rückversicherer angeschlagen. „Wenn 2003 so positiv wird, wie es aussieht, könnte sich der Ausblick ändern“, sagte Rief. „Aber die Rückversicherer hatten auch 2002 zu einem Superjahr erklärt. Wenn man heute genau hinsieht, war es davon weit entfernt.“

S&P bewertet die Versicherer vor allem aus Sicht der Kunden. „Damit unterscheidet sich ein Versicherungsrating deutlich von einem Rating in anderen Branchen, das vor allem aus Sicht der Anleger erfolgt“, sagte Rief. Ein gutes Rating sei heute für einen Rückversicherer eine Geschäftsvoraussetzung. Dabei komme es nicht so sehr auf einzelne Bilanzzahlen an. „Wir betrachten die Daten in ihren Trends.“ Außerdem lege S&P großen Wert auf die „weichen“ Faktoren, etwa die Vertrauenswürdigkeit des Managements.

Rief kritisierte die über steigende Aktienkurse finanzierte Expansion einiger Unternehmen in den 90er Jahren: „Das war ein gefährlicher Weg.“ Jetzt sei das überschüssige Kapital vollständig aufgebraucht. In den letzten zwei Jahren hat sich das Rating der 124 von S&P bewerteten deutschen Rück-und Erstversicherer insgesamt verschlechtert. Nur noch ein Unternehmen hat das beste Rating, ein „AAA“, die General Cologne Re. Selbst Münchener Rück und Allianz sind inzwischen von „AAA“ auf „AA-“ gefallen. „Die Allianz hat es bekommen, weil sie als starke Versicherungsgruppe eine nicht so starke Bank übernommen hat, die Münchener Rück etwas später, weil sie grob geschätzt ein Drittel ihrer Kapitalanlagen im problematischen deutschen Bankensektor hat.“

Quelle: Financial Times Deutschland


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