Amex kauft Zurich-Tochter Threadneedle

Fondsgesellschaft geht nach langen Verkaufsverhandlungen für 481 Mio. Euro in bar an American Express

Von Claudia Wanner, Frankfurt, und Herbert Fromme, Köln Nach monatelangen Verkaufsverhandlungen wechselt die britische Fondsgesellschaft Threadneedle den Besitzer. Der US-Finanzdienstleister American Express (Amex) übernimmt das Unternehmen von der Schweizer Zurich Financial Services (ZFS) und zahlt 340 Mio. £ (481 Mio. Euro) in bar. Die Transaktion soll bis Jahresende abgeschlossen sein, die Zustimmung der Aufsichtsbehörden steht noch aus.

Der Verkauf war lange erwartet worden. ZFS setzt damit die in der Krise angekündigte Konzentration auf das Versicherungsgeschäft fort. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern bekannt gegeben, Randaktivitäten im Umfang von mindestens 1 Mrd. $ aufgeben zu wollen. Vor zwei Wochen hatte das Unternehmen den größten Teil seines US-Lebensversicherungsgeschäfts für 500 Mio. $ verkauft, im Mai folgte das niederländische Privatkundengeschäft. Zusammen mit dem Threadneedle-Verkauf wurde das Ziel von 1 Mrd. $ bereits übertroffen.

In den vergangenen zwei Jahren war die ZFS unter Druck geraten – hervorgerufen durch eine zu ehrgeizige Expansionspolitik, die schlechte Aktienmarktentwicklung und Managementfehler. Der langjährige Konzernchef Rolf Hüppi musste 2002 gehen, die Gruppe verbuchte einen Verlust von 3,2 Mrd. $.

Die ZFS-Aktie legte gestern in einem positiven Marktumfeld nach schwachem Start 2,7 Prozent auf 170 Schweizer Franken zu.

Bei Threadneedle herrschte Erleichterung. „Wir sind froh, dass wir an Amex gehen“, hieß es. Für das Unternehmen geht eine lange Zeit der Unsicherheit zu Ende. Die ZFS hatte schon vergangenes Jahr angekündigt, dass sie zum Verkauf der Fondstochter bereit sei. „In der Zwischenzeit haben wir Gespräche mit einer Vielzahl von Unternehmen geführt“, sagte Threadneedle-Vorstand Alan Ainsworth der FTD. Mit Amex habe sich die Zurich dann schon vor einigen Monaten im Prinzip geeinigt. Nach Informationen aus Finanzkreisen haben sich die beiden Parteien aber noch lange am Preis gerieben. Anfang Mai hatte es noch geheißen, ZFS verlange mindestens 400 Mio. £, Amex wolle jedoch nicht über 300 Mio. £ bieten.

Mit Threadneedle kauft sich Amex ein angesehenes Investmentteam, das derzeit aus London 44 Mrd. £ verwaltet. Etwas mehr als 30 Mrd. £ entfallen auf Vermögen aus dem ZFS-Konzern. Daran soll sich mindestens acht Jahre lang auch nichts ändern.

Amex stärkt mit dem Zukauf seine Stellung in Europa. Bisher liegt der Schwerpunkt des Unternehmens, das in Deutschland vor allem für sein Kreditkartengeschäft bekannt ist, in den USA. In London verwaltet Amex nur 4 Mrd. $ (3,4 Mrd. Euro).

„Amex kauft Threadneedle und das bestehende Geschäftsmodell“, betonte Ainsworth. Die britische Gesellschaft, die 1998 im Zuge der Übernahme der Finanzgeschäfte des Tabakkonzerns BAT zur ZFS gekommen war, werde nicht auf Amex verschmolzen, sagte er. „Es wird keine Veränderungen geben, nicht bei den Produkten, nicht bei unserer Investmentphilosophie, nicht im Management“, sagte er. Der Markenname Threadneedle bleibe erhalten, die Investmentteams sollten weiter separat geführt werden.

Zunächst wolle sich Threadneedle darauf konzentrieren, sein Geschäft aus eigener Kraft auszubauen – insbesondere auch im deutschen Markt, aus dem mittlerweile das meiste Neugeschäft komme. „Mittelfristig sind im Vertrieb aber sicher Synergien mit Amex möglich“, sagte Ainsworth. Das gelte sowohl für den Vertrieb von Threadneedle-Fonds in den USA als auch für eine Zusammenarbeit in Europa und im Nahen Osten.

Zitat:

„Es wird keine Veränderungen geben, nicht bei den Produkten, nicht bei der Investmentphilosophie, nicht im Management“ – Alan Ainsworth, Vorstand Threadneedle.

Quelle: Financial Times Deutschland


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