Belegschaft blockiert HDWs Rückkehr in Handelsschiffbau

Widerstand zwingt Werft zum Verzicht auf Order

Von Ilse Schlingensiepen, Köln Aus der Rückkehr der Kieler HDW-Werft in den Handelsschiffbau wird vorerst nichts. Die größte deutsche Werft nimmt einen Auftrag zum Bau von vier Container-Schiffen nicht an, da die Belegschaft nicht zu gravierenden Zugeständnissen bereit war.

Die auf den Marineschiffbau spezialisierte Werft gehört dem US-Investor One Equity Partners, der aber Käufer sucht. Im Gespräch sind der französische Rüstungskonzern THund ThyssenKrupp.

Im Juni hatte HDW mit dem Finanzdienstleister MPC einen Letter of Intent über den Bau von vier Containerschiffen unterzeichnet. Der Auftrag wäre für die Kieler der Erste im Handelsschiffbau seit über vier Jahren gewesen. Für eine Kriegsschiffswerft ist die Präsenz im zivilen Feld wichtig, um den Anschluss an dort schnell verbreitete neue Technologien nicht zu verlieren.

HDW hatte den Auftrag an Bedingungen wie die Gewährung von Subventionen geknüpft. Der entscheidende Punkt waren aber Opfer der Werftarbeiter. Sie sollten für den Auftrag drei Stunden pro Woche unentgeltlich arbeiten. Alle HDW-Mitarbeiter inklusive des Managements sollten außerdem dauerhaft auf 10 Prozent des Lohns oder 12 Mio. Euro verzichten. Der geplante Abbau von 750 der 3400 Stellen sollte trotzdem stattfinden.

„Auf dieser Basis hätten wir dafür sorgen können, noch weitere Aufträge einzuholen“, sagte ein HDW-Sprecher. Die Maßnahmen seien auf Dauer notwendig, da der Markt im Handelsschiffbau durch koreanische Dumpingpreise verzerrt sei. Für den MPC-Auftrag wollte HDW sogar einen Verlust von 12 Mio. Euro in Kauf nehmen.

Das Vorgehen des Managements sei inakzeptabel gewesen, sagte hingegen Wolfgang Mädel, erster Bevollmächtigter der IG Metall in Kiel. „Es gab überhaupt keinen Verhandlungsspielraum, sondern ein Diktat der Bedingungen.“ Die Mitarbeiter seien zu auftragsbezogenen Einschnitten, nicht aber zu einem dauerhaften Lohnverzicht bereit.

Zitat:

„Es gab keinen Verhandlungsspielraum, sondern ein Diktat“ – Wolfgang Mädel, IG Metall.

Quelle: Financial Times Deutschland


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