Gerling muss bis Freitag Investoren präsentieren

S&P knüpft besseres Rating für Versicherer an Kapitalspritze

Von Herbert Fromme, Köln Neue Hoffnung für den angeschlagenen Kölner Gerling-Konzern: Die Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) hat ein besseres Rating in Aussicht gestellt, wenn der Konzern seine Zusage einhält: Das Management wolle bis zum 18. Juli „bindende Zusagen“ von Investoren über die Rekapitalisierung des Industrieversicherers Gerling-Konzern Allgemeine (GKA) vorlegen, teilte S&P in einer Stellungnahme zur Beurteilung der GKA und ihrer Schwestergesellschaft Gerling-Konzern Lebensversicherung (GKL) mit.

Nach Informationen der FTD wird sich sehr wahrscheinlich ein Konsortium aus deutschen Großunternehmen mit bis zu zehn Prozent an der GKA beteiligen – dazu gehören die Oetker-Gruppe und mehrere Chemiekonzerne wie Bayer und BASF. Finanzkreise sprechen von einem Investment von bis zu 120 Mio. Euro. Davon werde ein Teil in dieser Woche zugesagt, der Rest in den nächsten zwei Monaten, hieß es. Verhandlungen mit der Schweizer Großbank Credit Suisse, die 9,9 Prozent der GKA kaufen will, sind dagegen noch nicht fortgeschritten.

Nach Unterzeichnung entsprechender Vereinbarungen könnte das Rating der GKA von zurzeit „BB+“ auf „BBB-“ heraufgestuft werden, teilte S&P mit. Das ist für Gerling von großer Bedeutung: Mit „BB+“ ist es sehr schwierig, bei den jetzt beginnenden Vertragserneuerungen für 2004 Geschäft von der Großindustrie zu bekommen. „BBB-“ ist für viele Kunden gerade noch akzeptabel.

Um sich ein gutes Rating zu sichern, stößt Gerling den Rückversicherer Gerling Globale Rück ab. Dessen lange vereinbarter Verkauf an den Manager Achim Kann werde in den nächsten vier Wochen vollzogen, teilte S&P mit. Wenn zudem weitere „substanzielle Investoren“ bei der GKA einsteigen, könne das Rating noch weiter verbessert werden, erklärte die Agentur: „Standard & Poor’s erwartet, dass der Kapitalerhöhungsprozess bis Ende September 2003 abgeschlossen sein wird.“

Für 2002 erwartet die GKA nach S&P-Angaben einen Gewinn von 10 Mio. Euro nach einem Verlust von 152 Mio. Euro in 2002. 2004 soll der Gewinn sogar auf 70 Mio. Euro steigen. Zum Rating der GKL machte S&P keine näheren Angaben. Die Agentur erklärte nur, GKA und GKL würden künftig als Einzelunternehmen unabhängig vom Gesamtkonzern bewertet.

Quelle: Financial Times Deutschland


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