Mannheimer plant Zukäufe und Übernahmen

Versicherer will sichKapital genehmigen lassen

Von Herbert Fromme, Köln Erstaunlich selbstbewusst gibt sich der Vorstand der Mannheimer Holding, deren Lebensversicherer zusammengebrochen ist und die nur knapp der Insolvenz entronnen ist. „Die Mannheimer AG Holding beabsichtigt, nach Überwindung der durch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Mannheimer Lebensversicherung AG ausgelösten Krise, auf ihren Wachstumskurs zurückzukehren“, teilt der Vorstand unter Lothar Stöckbauer in der Einladung zur Hauptversammlung Ende August mit.

„In diesem Zusammenhang beabsichtigt die Gesellschaft, durch Akquisition von Unternehmen, Unternehmensbeteiligungen oder Unternehmensteilen ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern“, heißt es dort weiter. So begründet der Vorstand der stark angeschlagenen Gruppe zwei Maßnahmen, mit denen die Hauptversammlung genehmigtes Kapital schaffen soll.

Dieses Auftreten des Konzerns könnte die Verhandlungen mit Protektor beträchtlich erschweren. Die vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gegründete Auffanggesellschaft soll die Lebensversicherungsverträge der Mannheimer Leben übernehmen.

Die beiden Maßnahmen gäben dem Vorstand die Vollmacht, Kapitalerhöhungen selbst zu beschließen. Das genehmigte Kapital 2003/I beläuft sich auf 2,6 Mio. Euro, das Kapital 2003/II auf 12,9 Mio. Euro. Mit dem Kapital II soll die Ausgabe von Wandel-, Optionsanleihen oder Genussscheinen ermöglicht werden, mit denen die Mannheimer bis zu 60 Mio. Euro an den Kapitalmärkten aufnehmen könnte. Eine Sprecherin sagte, die Beschlussfassung über das genehmigte Kapital sei ein Routineschritt, weil die bisherigen Beschlüsse ausgelaufen seien. Die Begründung beruhe auf einem Standardtext.

In der Assekuranz gibt es erheblichen Unmut über die Art und Weise, wie das Mannheimer-Problem abgewickelt wird. Der GDV und die Finanzaufsicht BaFin wollen um jeden Preis eine Insolvenz der Mannheimer Leben und der Mannheimer Holding verhindern. Zu dem Zweck gibt die Branche der Muttergesellschaft ein Darlehen, mit dem das Loch in der Bilanz der Mannheimer Leben gestopft wird. „Wenn die Mannheimer als Gruppe im Markt bleibt, hat Protektor seine Existenzberechtigung verloren“, sagte ein verärgerter Versicherer.

Quelle: Financial Times Deutschland


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