Talanx plant Zukäufe vor Börsengang

HDI-Konzern schließt Umstrukturierung ab · Gewinn soll in diesem Jahr um 52 Prozent steigen

Von Herbert Fromme, Hannover Die Versicherungsgruppe HDI plant schon vor dem für 2005 ins Auge gefassten Börsengang der Zwischenholding Talanx große Zukäufe. „Wir halten die Augen offen“, sagte Wolf-Dieter Baumgartl, Chef der HDI-Gruppe, die künftig als Talanx-Konzern auftritt, gestern in Hannover. Kleine Versicherer wolle er aber nicht übernehmen. Das Unternehmen will die Zahl der Verträge mit Privatkunden von heute rund neun Millionen auf 20 bis 25 Millionen im In-und Ausland steigern. „Da nutzt es wenig, Amöben mit weniger als 500 Eurobis 600 Mio. Euro Prämieneinnahmen zu kaufen.“

Für 2003 ist das Unternehmen optimistisch. Die Prämieneinnahmen sollen um 5,1 Prozent auf 15,8 Mrd. Euro wachsen, das Kapitalanlageergebnis soll bei 1,2 Mrd. Euro stabil bleiben. Unter dem Strich will Baumgartl ein Ergebnis vor Steuern von 725 Mio. Euro erreichen, 51,7 Prozent über den 478 Mio. Euro, die er 2002 verbuchte.

Der HDI hat den schon 2002 angekündigten Konzernumbau jetzt vollzogen. Die Industrieversicherung wurde aus dem Haftpflichtverband der Deutschen Industrie ausgegliedert, der in der Rechtsform eines Versicherungsvereins arbeitet. Künftig betreibt die neue Tochter HDI Industrie Versicherung diese Sparte. Die Aktiengesellschaft gehört der Talanx, ebenso wie die HDI Privat, die HDI International und das Schwergewicht Hannover Rück.

Damit der HDI VaG seine Eigenschaft als Versicherungsverein nicht verliert, beteiligt er sich mit einem Promille an allen Risiken der HDI Industrie. Deren Kunden werden damit auch Kunden des HDI VaG und damit Mitglieder – denen künftig auch eine Ausschüttung aus dem Gewinn zusteht. Privatkunden sollen künftig nicht mehr Mitglieder des Vereins werden, bestehende Kunden den Status aber behalten.

Die Zwischenholding Talanx will Baumgartl frühestens 2005 zu 49,9 Prozent an die Börse bringen. Das würde der Gruppe ein besonderes Problem bescheren, sagte der HDI-Chef. „Dann hätte die Gruppe plötzlich 6 Mrd. Euro, die sie gar nicht so schnell sinnvoll anlegen kann.“ Deshalb sei es womöglich klüger, schon vor dem Börsengang mit Hilfe von Fremdfinanzierungen andere Unternehmen zu kaufen. Auch eine Reduzierung des Anteils an der Hannover Rück von heute 74,9 Prozent auf knapp über 50 Prozent steht weiter auf dem Programmzettel.

Baumgartls robustes Selbstbewusstsein beruht auf vergleichsweise gute Umsatz-und Gewinnzahlen für das Jahr 2002. Mit 15 Mrd. Euro Prämieneinnahmen, einem Plus von 6,5 Prozent, sei die Gruppe die Nummer drei im deutschen Markt. Zwei Drittel der Talanx-Umsätze stammen aus der Rückversicherung.

Anders als die Konkurrenz vertraute Baumgartl als Kapitalanleger der Börse nur wenig. Ende 2001 bestanden nur 8,8 Prozent der Kapitalanlagen aus Aktien, Ende 2002 waren es 6,3 Prozent. Daher waren die Verluste aus dem Aktiencrash relativ gering.

Zitat:

„Es nutzt wenig, Amöben mit weniger als 500 Mio. Euro EuroUmsatz zu kaufen“ – HDI-Konzernchef Wolf-Dieter Baumgartl

Bild(er):

Vorstandschef Wolf-Dieter Baumgartl hat große Pläne für den umgebauten Konzern – ddp/Kai-Uwe Knoth.

Quelle: Financial Times Deutschland


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