Warren Buffett hat Interesse an Gerling

US-Investor spekuliert auf Industrieversicherungen

Von Herbert Fromme, Köln Der zum Unternehmen des US-Investors Warren Buffett gehörende Rückversicherer Berkshire Hathaway verhandelt nach Informationen der Financial Times Deutschland über einen Einstieg beim angeschlagenen Kölner Gerling-Konzern. Berkshire habe die Bereitstellung hoher langfristiger Rückversicherungskapazitäten in Aussicht gestellt, hieß es in Versicherungskreisen. Die erste Verhandlungsrunde fand demnach vorige Woche statt.

Kommt es zu einem Abschluss, würde das die Überlebenschancen für Gerling deutlich verbessern. Gerettet wäre der Konzern zwar noch nicht; dafür bräuchte er frisches Kapital, das Berkshire nicht anbietet. Investoren für sein Kerngeschäft will Gerling aber noch im Juli nennen.

Blick auf lukrativen Markt

Berkshire, der drittgrößte Rückversicherer der Welt, drängt wiederum in den Markt der deutschen Industrieversicherung. Nach den kräftigen Preisschüben der vergangenen beiden Jahre gilt er international als einer der lukrativsten. Berkshire ist schon als Haupt-Rückversicherer beim Terrorschaden-Spezialversicherer Extremus engagiert.

Der Finanzchef von Berkshire Hathaway, Marc D. Hamburg, lehnte eine Stellungnahme ab. Auch Gerling wollte sich zunächst nicht äußern.

„Berkshire hat auch mit anderen deutschen Versicherern gesprochen, sieht aber mit Gerling die besten Chancen“, sagte ein Branchenkenner. Tatsächlich eignet sich die Kölner Gruppe hervorragend: Die Industrieversicherungs-Tochter Gerling Konzern Allgemeine (GKA) braucht wegen der Schwäche des Konzerns dringend finanzstarke Partner. Gleichzeitig sind die GKA-Bestände durchsaniert, das Unternehmen hat zurzeit im eigentlichen Versicherungsgeschäft Erfolg. Die Probleme stammen aus dem Kollaps der Gerling Globale Rück und dem viel zu knappen Eigenkapital des Unternehmens, das zu 94 Prozent Rolf Gerling und zu sechs Prozent dem Aufsichtsratschef Joachim Theye gehört.

Hoffnung für Krisen-Konzern

Kommt das Geschäft mit Berkshire zustande, würde die GKA nur noch einen kleineren Teil der Risiken selbst tragen und den Rest an Berkshire Hathaway weitergeben. Damit könnte die GKA den Druck von Kunden, Aufsicht und Rating-Agenturen, die alle eine höhere Eigenkapitalausstattung verlangen, deutlich reduzieren.

Schon heute gibt die GKA einen Teil der Risiken an Rückversicherer weiter, der größte unter ihnen ist nach dem Kollaps der konzerneigenen Gerling Globale Rück die Münchener Rück. Aber dort wird jeweils nach Einzelrisiko oder Risikogruppe jährlich neu verhandelt. Berkshire bietet dauerhafte, hohe Kapazität.

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Quelle: Financial Times Deutschland


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