Allianz-Konzern schrammt knapp an Verlust vorbei

Tochter Dresdner Bank baut weitere 4700 Stellen ab

Von Rolf Lebert, Frankfurt, und Herbert Fromme, Köln Der weltweit zweitgrößte Versicherer Allianz hat nur durch eine hohe Steuergutschrift sein fünftes Verlustquartal in Folge verhindert. Die leichte Erholung der Aktienmärkte und Verbesserungen im Kerngeschäft Versicherung verhalfen dem Konzern im zweiten Quartal zu einem Nachsteuergewinn von 622 Mio. Euro. Der ist allerdings größtenteils einer Steuergutschrift von 853 Mio. Euro geschuldet. Vor Steuern schrammte die Allianz nur knapp an einer weiteren Verlustmeldung vorbei – der Gewinn betrug 1 Mio. Euro.

Analysten und Aktionäre waren über den kleinen Ertrag enttäuscht. Die Börse reagierte mit Preisabschlägen bis zu drei Prozent. Am Abend wurde die Aktie bei einem leichten Minus von 0,7 Prozent mit 88,08 Euro gehandelt.

„Erste Erfolge zeichnen sich ab, es bleiben aber Risiken“, sagte Allianz-Konzernchef Michael Diekmann gestern auf einer Telefonkonferenz. Für das Gesamtjahr 2003 rechne er fest mit schwarzen Zahlen. Diekmann legte erste Erfolge des Projekts „Back to Basics“ vor, das er zusammen mit seinem Vorgänger Henning Schulte-Noelle angestoßen hatte, um den Konzern auf seine Kerngeschäfte zu konzentrieren. Mit Aussagen über die mittelfristige Konzernstrategie hielt er sich aber zurück.

Bank spart 1 Mrd. Euro ein

Im Gegensatz dazu äußerte sich Herbert Walter, der Vorstandsvorsitzende der Allianz-Tochter Dresdner Bank, in Frankfurt ausführlich zu seinen Plänen. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt vor der Presse seit dem Amtsantritt im April trat Walter als durchgreifender Sanierer auf. Bis Ende 2005 solle die Bank nachhaltig profitabel gemacht werden, verkündete er. Um dieses Ziel zu erreichen, sei ein erneuter tiefer Einschnitt beim Personal unumgänglich. 4700 Beschäftigte sollen bis Ende 2005 „möglichst sozialverträglich“ die Bank verlassen, sagte er.

Damit summiert sich der Stellenabbau bei der Dresdner Bank seit Mitte 2001 auf fast 15 000 Mitarbeiter. Am Ende des Prozesses wird die Dresdner Bank noch knapp 40 000 Beschäftigte haben, rund 27 Prozent weniger als vor Beginn der Entlassungswelle.

Durch den Personalabbau und die Straffung von Prozessen will Walter 1 Mrd. Euro einsparen. Die Kostensenkungen sollen das operative Geschäft nicht beeinträchtigen. Vielmehr will Walter durch eine klare Aufteilung in strategische und nicht strategische Geschäftsfelder die Markt-und Kundennähe der Bank verbessern.

Walter machte auch den Spekulationen um die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein ein Ende. Sie hat für mindestens zwei Jahre eine Bestandsgarantie der Allianz und wird künftig als eigenständige Einheit neben dem Firmenkundengeschäft geführt.

Weiterer Bericht

Seite 16

Das Kapital Seite 15.

Quelle: Financial Times Deutschland


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