Gerling NCM prüft Fusion mit CyC in Spanien

Kreditversicherer ändert Namen und zieht nach Amsterdam · FTD-Interview mit neuem Chef Paul-Henri Denieuil

Von Herbert Fromme, Köln Gerling NCM prüft eine Fusion mit der spanischen Crédito y Caución (CyC) innerhalb der nächsten zwei Jahre. Das sagte Paul-Henri Denieuil, der neue Vorstandsvorsitzende des von Swiss Re und der Deutschen Bank kontrollierten zweitgrößten Kreditversicherers der Welt, der FTD. Im Vorgriff erhält die spanische Gesellschaft, die Nummer vier im Weltmarkt, einen Anteil von sieben Prozent an Gerling NCM.

Die Mehrheit an der erfolgreichen Gerling NCM war im Mai vom angeschlagenen Gerling-Konzern an Swiss Re, Deutsche Bank und andere verkauft worden. Die Transaktion wurde jetzt abgeschlossen.

Mit 1,3 Mrd. Euro Prämie hält das Unternehmen zwar einen Weltmarktanteil von 25 Prozent, liegt aber hinter der Allianz-Tochter Euler-Hermes mit 1,4 Mrd. Euro zurück. Mit dem CyC-Prämienvolumen von 286 Mio. Euro könnte sich Gerling NCM die Marktführerschaft sichern.

Kreditversicherer decken Industrie und Handel gegen den Ausfall von Forderungen ab. Wird ein Kunde zahlungsunfähig, ersetzt der Kreditversicherer dem Lieferanten den Schaden – aber nur, wenn dieser vorher beim Versicherer die Bonität seines Kunden abgefragt hat. Deshalb unterhalten Kreditversicherer riesige Datenbestände über zahlreiche Unternehmen.

„Wir wollen in diesem Feld rasch mit CyC zusammenarbeiten und Daten austauschen“, sagte Denieuil im FTD-Interview weiter. Außerdem könne der lateinamerikanische Markt zusammen mit CyC besser erschlossen werden. Der spanische Kreditversicherer gehört zu 45 Prozent dem Staat, zu 39 Prozent dem Versicherer Grupo Catalana Occidente (GCO), der Rest ist verteilt.

Die CyC erwirbt sieben Prozent der Gerling-NCM-Anteile vom Pensionsfonds der Mitarbeiter. Dieser gibt seine restlichen 0,14 Prozent an die Seguros Catalana Occidente (SCO), Tochter des CyC-Aktionärs GCO ab. Catala Occidente hat außerdem eine Option auf weitere 7,94 Prozent am Swiss-Re-Anteil. CyC wird sich zudem mit 52 Mio. Euro an einem nachrangigen Darlehen über 110 Mio. Euro beteiligen, das die NCM-Hauptaktionäre im November geben werden.

Gerling NCM gab gestern weitreichende organisatorische Änderungen bekannt. So benennt sich die Gruppe in Atradius um. Die Holding wird von Köln nach Amsterdam verlegt, die sechs in Europa tätigen operativen Versicherer auf die in den Niederlanden tätige Tochter NCM fusioniert. Die bisherigen Töchter in Europa werden dann Niederlassungen. „Arbeitsplätze gehen nicht verloren“, sagte Denieuil.

Der Börsengang, den Gerling NCM für 2003 vorbereitet hatte, sei eine „reale Möglichkeit“. Denieuil kann sich das für einen Zeitraum zwischen 2005 und 2007 vorstellen. „Zurzeit haben wir das Kapital, das wir brauchen.“

Einen Erfolg kann das Unternehmen aus Australien melden: Die Regierung hat gerade endgültig der Übernahme der staatlichen Exportkreditagentur Export Finance and Insurance Corporation (EFIC) durch Gerling NCM zugestimmt.

Der langjährige Chef Bernd Meyer, den die Betriebsversammlung gestern mit stehendem Applaus verabschiedete, wechselt in den Aufsichtsrat. Übergangschef wird der 62-jährige Denieuil, bis 1998 Chef der französischen Euler-Gruppe. „Wir suchen schon den neuen Gruppenchef“, sagte Denieuil. Er selbst werde dann Aufsichtsratsvorsitzender.

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Ein Stein fehlt: Gerling NCM bricht die Brücken zum Gerling-Konzern (Logo) auch optisch ab, heißt künftig Atradius (s.u.) und zieht nach Amsterdam.

Quelle: Financial Times Deutschland


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