Mannheimer versackt in roten Zahlen

Versicherungsgruppe erleidet hohen Halbjahresverlust · Vorstand ist dennoch optimistisch

Von Ilse Schlingensiepen, Köln Trotz verheerender Geschäftszahlen im ersten Halbjahr 2003 bleibt die Führungsriege der wankenden Mannheimer Versicherungsgruppe zuversichtlich. Vor allem die Kooperation mit der Continentale stimme „vorsichtig optimistisch“, sagte Vorstandssprecher Lothar Stöckbauer gestern zur Veröffentlichung des Zwischenberichts.

Einen Tag vor der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung legte der Versicherer tiefrote Zahlen vor. Der Konzern verbuchte im ersten Halbjahr einen Verlust von 103,6 Mio. EuroEuroEuro. Einen Vergleich zum Vorjahr lieferte das Unternehmen nicht. Insgesamt hatte der Konzern 2002 mit einem Minus von 50 Mio. Euro abgeschlossen.

Negativ schlugen vor allem Abschreibungen auf Kapitalanlagen von 147,5 Mio. Euro zu Buche, davon allein 79,5 Mio. Euro bei der Mannheimer Lebensversicherung. Zum Stichtag 30. Juni hatte die Gruppe außerdem stille Lasten von 169,3 Mio.Euro. Stöckbauer bezeichnete das Ergebnis als wenig erfreulich. „Da aber die Ursachen für den Fehlbetrag bekannt sind, haben uns die Zahlen nicht überrascht.“

Damit werden sich die Aktionäre auf der Hauptversammlung kaum zufrieden geben. Stöckbauer und seine Kollegen müssen für den Kollaps der Lebensversicherungstochter geradestehen, die sich an den Aktienmärkten verhoben hatte. Der rasante Niedergang der Tochter beschert der von der Assekuranz gegründeten Auffanggesellschaft Protektor gerade ihren ersten Fall.

Protektor übernimmt die Bestände der Mannheimer Leben. Die Verpflichtungen der Holding gegenüber dem Lebensversicherer wurden in ein Darlehen von Protektor umgewandelt, das die Mannheimer aus künftigen Überschüssen abbezahlen muss. „Wir gehen hierbei von einem Betrag zwischen 210 und 230 Mio.Euro aus“, sagte Stöckbauer.

Zwar musste der langjährige Vorstandschef Hans Schreiber Mitte Juni seinen Hut nehmen. Seine Kollegen blieben bislang aber unbehelligt. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz will heute Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung verweigern.

Im Zwischenbericht verweist der Vorstand darauf, dass in der schwierigen Lage das Bestmögliche erreicht wurde, „auch im Aktionärsinteresse“. Immerhin sei die drohende Insolvenz der Gruppe abgewendet worden. Für die weitere Gesundung sei ein „erheblicher Kapitalbedarf“ notwendig, heißt es weiter. Einzelheiten könne man noch nicht nennen, sagte ein Sprecher.

Positive Impulse erhofft sich die Mannheimer von der Dortmunder Versicherungsgruppe Continentale. Sie hat 51 Prozent der Mannheimer Krankenversicherung übernommen. Mit dem Sachversicherer der Mannheimer gibt es eine Vertriebskooperation.

Im ersten Halbjahr 2003 stiegen die Beitragseinnahmen des Konzerns um vier Prozent auf 437,1 Mio. Euro. Auf die Lebensversicherung entfielen 161,2 Mio. Euro, ein Minus von 2,6 Prozent. Das Neugeschäft brach um fast 40 Prozent ein. Auch die Mannheimer Kranken leidet an der Konzernkrise: Das Plus von 9,2 Prozent auf 65,7 Mio. Euro bei den Prämieneinnahmen kam hauptsächlich aus Beitragserhöhungen. Das Neugeschäft ging um 33,6 Prozent zurück. Die Mannheimer Versicherung nahm 165,1 Mio. Euro an Prämien ein, 4,5 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2002.

Zitat:

„In schwieriger Lage haben wir das Bestmögliche erreicht“ – Lothar Stöckbauer, Vorstandschef der Mannheimer

Bild(er):

Ramponiert sind neben dem Image auch die Halbjahreszahlen der Mannheimer Versicherungsgruppe – FTD/Thomas Lehne.

Quelle: Financial Times Deutschland


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