Unternehmen unterschätzen Gefahr durch Cybercrime

Wirtschaftskriminelle manipulieren vermehrt am Computersystem · Sparen auf Kosten der Sicherheit

Von Sven Clausen, Frankfurt, und Ilse Schlingensiepen, Köln Trotz enormer Schäden etwa durch Computerviren nehmen nur wenige Unternehmen die Bedrohung durch so genannten Cybercrime ernst. Dabei sind Straftaten mittels Informationstechnologien inzwischen zweithäufigstes Delikt Wirtschaftskrimineller – nach Betrug und Untreue. „Die möglichen Schäden dieses Delikts werden stark unterschätzt“, sagte gestern Karl-Heinz Maul, einer der Autoren der Studie „Wirtschaftskriminalität 2003“ des Beratungskonzerns PricewaterhouseCoopers (PwC).

Zu Cybercrime zählen der Studie zufolge bereits zwölf Prozent der gemeldeten Fälle. Dennoch empfinden dies nur sechs Prozent der Unternehmen weltweit derzeit als Bedrohung. Der durchschnittliche Schaden von Cyber-Taten beläuft sich pro Unternehmen auf rund 700 000 Euro.

Auch die IT-Beratungsunternehmen AMR und Gartner hatten zuletzt auf die Bedrohung hingewiesen. Laut Gartner wird bis 2005 jedes fünfte Unternehmen einen Zwischenfall mit einem Computervirus erleben. AMR kritisiert, dass viele Firmen wegen Sparmaßnahmen die Sicherheit vernachlässigten. Laut PwC werden häufig Mitarbeiter zu Kriminellen, die vor der Entlassung stehen.

Zudem fahren die Firmen ihren Versicherungsschutz zurück: Derzeit haben PwC zufolge nur 34 Prozent eine Vertrauensschadensversicherung. 2001 waren es noch 56 Prozent. „Der Kostendruck ist in der Akquise zu spüren“, heißt es beim deutschen Marktführer Euler Hermes, der die Schäden durch Wirtschaftskriminalität allein in Deutschland auf 8 Mrd.Euro im Jahr schätzt.

Cybercrime ist das deutlichste Beispiel für die Sicherheitslücken der Unternehmen. „Nur 40 Prozent der deutschen Firmen bemerken, dass sie Opfer von Wirtschaftskriminalität werden. Gemeinsam mit der Dunkelziffer liegt der Anteil wesentlich höher“, sagte PwC-Autor Steffen Salvenmoser. Rund ein Drittel der Fälle wird nur durch Zufall aufgedeckt. Zwar muss etwa bei Siemens jeder Beschäftigte so genannte Business Conduct Guidelines unterschreiben. „Im Großen und Ganzen verlassen wir uns aber auf die Loyalität unserer Mitarbeiter“, sagte eine Sprecherin. Bei der Commerzbank, so ein Sprecher, gebe es ein „strenges Vier-Augen-Prinzip“.

Weiterer Bericht Seite 29.

Quelle: Financial Times Deutschland


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