Versicherer streiten über Preis der Zahnersatzdeckung

AOK will 5 Euro Monatsprämie · PKV sieht Dumping

Von Ilse Schlingensiepen, Köln, und Philipp Jaklin, Berlin Noch stehen die Rahmenbedingungen für die neue Privatversicherung bei Zahnersatz nicht fest, da streiten gesetzliche (GKV) und private Krankenversicherer (PKV) schon über den Preis. Die AOK Rheinland will die Deckung für 5 Euro monatlich anbieten. Der PKV-Verband hält die Kalkulation für nicht seriös.

In den Konsensverhandlungen zur Gesundheitsreform wurde vereinbart, dass gesetzlich Versicherte die ab 2005 obligatorische private Versicherung für Zahnersatz auch bei der GKV kaufen können. Das ist den privaten Anbietern ein Dorn im Auge. Sie befürchten inakzeptable Wettbewerbsvorteile der GKV.

Die bisherige Eigenleistung der Versicherten bleibt bei den künftigen Tarifen unverändert; Kinder bleiben mitversichert, Ehegatten nicht. Der PKV-Verband hatte eine monatliche Prämie von 7,50 Euro kalkuliert. Das wird bei der AOK Rheinland billiger, glaubt deren Vorstandsvorsitzender Wilfried Jacobs. Beim Preis von circa 5 Euro sei – anders als von der PKV befürchtet – keine Quersubventionierung durch das GKV-Geschäft nötig. „Wir werden uns an die Spielregeln des freien Marktes und des Versicherungsrechts halten“, sagte Jacobs. Schließlich müssten GKV und PKV ihre Tarife der Aufsicht vorlegen. „Dann wird sich herausstellen, wer richtig kalkuliert hat“, so Jacobs.

Langfristig werden sich die Preise bei GKV und PKV angleichen, glaubt er. Es sei aber erforderlich, dass die Krankenkassen für die Zusatzversicherungen Tochtergesellschaften gründen. Das sieht die PKV genau so.

Der CDU-Sozialexperte Andreas Storm begrüßte Jacobs“ Vorschlag. Die Union fordert, dass die Kassen die Zusatzversicherung ausgliedern müssen. „Es kann aber nicht sein, dass Versicherte automatisch zunächst gesetzlich versichert sind“, sagte Storm.

Bei geschätzten Ausgaben von 3,8 Mrd. Euro für Zahnersatz im Jahr 2003 seien bei 72 Mio. Versicherten mehr als 5 Euro monatlich notwendig, kritisierte PKV-Verbandsgeschäftsführer Christian Weber. Hinzu kämen die Verwaltungskosten. „Die Berechnungen zeigen, dass die GKV mit der privatrechtlichen Kalkulation des Versicherungsschutzes nicht klarkommt“, sagte er. „Wer in der PKV so kalkulieren würde, der würde von der Aufsicht seines Amtes enthoben werden“, sagte Verbandsdirektor Volker Leienbach. Die Politik dürfe auf solche Dumpingangebote nicht hereinfallen.

AOK-Mann Jacobs sieht die Kritik gelassen. „Die Aufregung spricht dafür, dass wir die PKV im Nerv getroffen haben.“ Sie müsse sich daran gewöhnen, dass auch die GKV separate Leistungen abdecken könne.

Zitat:

„Wir werden uns an die Spielregeln des freien Marktes halten“ – AOK-Chef W. Jacobs.

Quelle: Financial Times Deutschland


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