Wingas peilt in Belgien starkes Wachstum an

Gasversorger verlangtflexiblere Rahmenbedingungen

Von Katrin Berkenkopf, Brüssel Der Kasseler Gasversorger Wingas will in Belgien mittelfristig einen Marktanteil von über zehn Prozent erreichen. Das kündigte Rainer Seele an, Sprecher der Geschäftsführung. Das Unternehmen hatte erst Anfang des Jahres mit Lieferungen nach Belgien begonnen und sich auf Anhieb einen Marktanteil von sechs Prozent oder einer Milliarde Kubikmetern gesichert.

Größte Kunden sind der Nahrungsmittelproduzent Campina, eine Wasserstoffproduktionsanlage des französischen Unternehmens Air Liquide, ein Kraftwerk der RWE in Antwerpen und die belgischen Werke der BASF. Über die Tochter Wintershall ist BASF indirekt Mehrheitsbesitzer von Wingas. 35 Prozent gehören dem russischen Gaskonzern Gasprom. Anders als in Deutschland sei BASF in Belgien aber nicht der größte Kunde der Wingas, betonte Seele. Dort nehme BASF nur zehn Prozent der Gesamtmenge ab. In Belgien dürfen noch nicht alle industriellen Verbraucher ihren Gasversorger frei wählen.

Mit Wingas kommt zum ersten Mal russisches Erdgas auf den belgischen Markt. Zudem werden sich die Aktivitäten von Wingas an den Erdgashandelsplätzen im belgischen Zeebrügge und Bunde-Oude an der Grenze zwischen Deutschland und Holland verstärken, erwartet Seele.

Die Gründung eines Tochterunternehmens in Belgien ist für Wingas ein erster Schritt in der Umsetzung der neuen Expansionsstrategie für Europa. Als nächstes haben die Kasseler den britischen Markt im Visier. Auch hier wolle man mittelfristig zu den drei größten Gasversorgern gehören, erklärte Seele.

Die Wingas-Strategie fußt auf dem Aufbau einer eigenen Infrastruktur. In Belgien ist das Unternehmen allerdings mit dem geplanten Bau einer zwei Kilometer langen Pipeline, die rund 5 Mio. Euro kosten würde, auf Widerstand gestoßen. Auch der Bau eigener Gasspeicher und einer Anlage, die verschiedene Gasqualitäten nach Kundenwünschen zusammenstellen kann, seien „praktisch nicht zu realisieren“, sagte er.

Für Seele ist das ein Unding. „Wir sind bereit, ein gewisses Maß an Regulierung zu akzeptieren. Dafür muss so etwas wie Leitungsbau aber auch überall in Europa möglich sein.“ Außerdem stehe Europa im Wettbewerb mit anderen importabhängigen Regionen. „Für die Gas-Produzenten müssen wir ein attraktiver und verlässlicher Partner sein.“

Quelle: Financial Times Deutschland


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