Allianz verschärft Managerhaftpflicht

Höhere Eigenbeteiligung der Kunden soll Schadenlast der Versicherer verringern

Von Herbert Fromme, Köln Mit Einschränkungen in der Managerhaftung versucht die Allianz, dem Trend zu hohen Schäden in dieser Sparte zu begegnen. In der Directors‘ & Officers‘ Liability (D&O) deckt sie künftig nur dann so genannte Innenrisiken in der bisherigen Höhe ab, wenn die Kunden einen erheblichen Teil selbst tragen. „Ohne Eigenbehalt werden Innendeckungen nur mit geringen Summen versichert“, sagte Joachim Albers der FTD. Er ist Abteilungsdirektor und Spezialist für D&O bei der Allianz. Die Maßnahme des Versicherers hat einige Unruhe bei Versicherungseinkäufern der Industrie erregt, die von kurzfristigen Kündigungen mitten in der Vertragslaufzeit berichten.

Mit der D&O-Deckung schützen sich Aufsichtsräte, Vorstände und leitende Mitarbeiter gegen Ansprüche, die wegen ihrer beruflichen Tätigkeit gegen sie erhoben werden. Die meisten in Deutschland verkauften Policen schließen dabei Ansprüche der eigenen Unternehmen ein.

„Hier liegt ein besonders großes Risiko“, sagte Albers. „Gerade wenn Firmen wirtschaftlich unter Druck geraten, könnten sie leicht in Versuchung kommen, Fehler eines Vorstands bei bestimmten Transaktionen zu behaupten und den Versicherer in Anspruch zu nehmen.“

Wenn ein Unternehmen beispielsweise ein anderes übernommen hat und sich die neue Tochter als Fehlkauf herausstellt, beginnt die Suche nach möglichen Fehlern der betroffenen Manager – etwa ob sie alle nötigen Prüfungen beim Übernahmekandidaten durchgeführt haben. War das nicht der Fall, wird das Unternehmen versuchen, sich vom Versicherer Schadensersatz zu holen.

„Noch passiert so etwas eher selten in Deutschland“, sagte Albers. Aber der wirtschaftliche Druck auf die Firmen werde größer. Durch die Bedingungsänderung will die Allianz vorbeugen. „Dann ist auf jeden Fall das Kostenrisiko für die Unternehmen im Verhältnis zur möglicherweise erzielten Summe höher.“ Schließlich könne die Verfolgung eines solchen Anspruchs zu hohen Anwaltsgebühren führen.

Laut Albers macht die Allianz im D&O-Geschäft Gewinn. „Aber der Markt als Ganzes ist in einer schwierigen Lage .“ Die Prämieneinnahmen in Deutschland lägen bei 250 bis 300 Mio. Euro. Ein Großschaden könne das aufbrauchen. Wenn es bei DaimlerChrysler wirklich zu dem befürchteten D&O-Schaden von 220 Mio. Euro komme, sei der Ernstfall eingetreten.

Der Konzern einigte sich in der vergangenen Woche mit Aktionären, die sich bei der Übernahme von Chrysler durch Daimler vor fünf Jahren übervorteilt fühlten. Er zahlt ihnen 300 Mio.Euro und erklärte, davon seien 220 Mio. Euro durch D&O-Versicherungen gedeckt. Führender D&O-Versicherer bei DaimlerChrysler ist nach Marktinformationen die American International Group (AIG), der größte Anbieter in Deutschland. Albers sagte, einzelne Kunden hätten 2003 Preiserhöhungen von 200 bis 300 Prozent hinnehmen müssen.

Die Allianz hatte erst vor kurzem das D&O-Geschäft mit großen US-Konzernen eingestellt – wenige Monate nachdem der Konzern lautstark erklärt hatte, er wolle auf diesem Feld Marktführer werden. Offenbar ist dem neuen Konzernchef Michael Diekmann angesichts der US-Skandale dieses Feld doch zu heiß. „Wir versichern aber weiter Unternehmen aus anderen Ländern, die in den USA aktiv sind“, sagte Albers.

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Mit seinen Äußerungen zu Leo Kirch könnte Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer ein Fall für die Managerhaftpflicht werden – Jose Giribas.

Quelle: Financial Times Deutschland


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