Ende des Luftpools drängt kleine Versicherer aus dem Markt

Airlines müssen mit geringerem Angebot rechnen · Allianz soll Rückversicherungsgemeinschaft abwickeln · Druck der Kartellwächter

Von Herbert Fromme, Köln Die geplante Auflösung des Deutschen Luftpools als Rückversicherungsgemeinschaft wird zu einer deutlichen Kapazitätsreduzierung in der Luftfahrtversicherung in Deutschland führen. Davon gehen Versicherungsmanager aus. Über die Auflösung soll am 10. September in München entschieden werden.

„Kleinere Gesellschaften haben weder das Know-how noch die Lust, sich mit diesem komplizierten Feld zu beschäftigen“, sagte ein Manager. Das werde dazu führen, dass sich das Geschäft bei den großen Industrie-und Rückversicherern konzentriert und internationale Anbieter, vor allem in London, einen größeren Marktanteil erringen.

Der Luftpool verteilt alle Risiken auf seine Mitgliedsunternehmen, je nach deren prozentualem Anteil am Pool. Die Allianz etwa hält 20 Prozent, zahlreiche Gesellschaften aber nur 0,5 Prozent. Der Pool versichert vor allem Kaskorisiken, bei denen der Wert von Flugzeugen versichert ist, sowie Haftpflichtdeckungen, bei denen der Schadensersatz gegen Dritte abgedeckt wird. Jedes Mitglied, das Luftfahrtrisiken versichert, gibt 100 Prozent der Beiträge und des Risikos an den Pool weiter. Es partizipiert dann nach seinen Prozentsätzen an allen Gewinnen und Verlusten der Risiken, die in den Pool eingebracht wurden.

Bringt ein Unternehmen einen Luftfahrtkunden ein, dessen Geschäft hochprofitabel verläuft, haben alle anderen Mitglieder etwas davon. Andererseits tragen sie auch alle anfallenden Verluste anteilig.

Der Pool führt zur schnellen Bereitstellung großer Kapazitäten. Gleichzeitig schränkt er den Wettbewerb zwischen den Mitgliedern ein – kein Versicherer kann es sich lange leisten, verlustbringendes Geschäft zu zeichnen und im Pool abzuladen.

Aus diesem Grund sehen die Kartellwächter in Brüssel und Bonn den Pool mit großem Misstrauen. Andererseits war der Pool Teil des internationalen Luftfahrt-Versicherungsmarktes und konnte sich von den zum Teil defizitären Trends nicht abkoppeln.

Die Abwicklung der Luftpool-Risiken soll die Allianz übernehmen. Die Organisation selbst soll bestehen bleiben und den Mitgliedern, die Luftfahrtgeschäft betreiben, Dienstleistungen anbieten – so in der Schadenabwicklung. Risiken wird der Pool aber nicht mehr übernehmen.

Im Jahr 2002 hatte die als Gesellschaft bürgerlichen Rechts firmierende Organisation Beitragseinnahmen von 439 Mio. Euro verzeichnet. Davon gab der Luftpool rund die Hälfte an Rückversicherer ab, um das Risiko für seine Mitglieder zu begrenzen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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