Fluggesellschaften müssen neue Versicherer suchen

Pool zur Deckung der Risiken wird zum Jahresende aufgelöst · Reaktion auf Druck der Kartellbehörden

Von Herbert Fromme, Köln Die Versicherungsbranche steht nach Informationen der FTD kurz vor der Auflösung des seit 1920 bestehenden Deutschen Luftpools. Am 10. September wollen die mehr als 50 Mitgliedsunternehmen des Zusammenschlusses zur Deckung der Risiken in der Zivilluftfahrt die Beendigung ihrer Kerntätigkeit zum 1. Januar 2004 beschließen.

Die Unternehmen reagieren damit auf die zunehmend kritische Haltung der Wettbewerbsbehörden in Brüssel und Bonn. Die EU-Kommission, die den Pool bisher ausdrücklich zugelassen hatte, fährt seit April einen deutlich restriktiveren Kurs. Künftig darf ein Unternehmen in einer Sparte – etwa der Luftfahrt – nur Mitglied eines einzigen Pools sein. Damit bekommen international operierende Gesellschaften wie Allianz und Münchener Rück große Probleme, weil sie auch an anderen Luftfahrtpools Anteile halten. Das Vorgehen des Bundeskartellamts gegen Industrieversicherer wegen angeblicher Preisabsprachen hat den Druck zur Selbstauflösung noch verstärkt.

Dem Pool gehören mit Ausnahme Gerlings alle deutschen Versicherer und Rückversicherer an, die das Luftfahrtgeschäft versichern. Die Geschäfte des Pools führt die Allianz, die 20 Prozent hält. Ein Unternehmenssprecher bestätigte das Treffen am 10. September. Zu möglichen Beschlüssen wollte er nichts sagen.

Nach FTD-Informationen soll der Pool als Serviceorganisation für die Mitglieder zwar erhalten bleiben, künftig aber keine Risiken mehr zeichnen. Im vergangenen Jahr sammelte er 439 Mio. Euro an Beiträgen ein. Der Pool sprang im Fall von Unglücken mit Flugzeugen der bei seinen Mitgliedern versicherten Fluggesellschaften ein.

Lufthansa-Versicherungschef Ralf Oelßner kritisierte die geplante Auflösung. Der Versicherungsschutz der Gesellschaften werde komplizierter. „Wir müssen künftig die Kapazität zusammenstoppeln. Die schnelle Verfügbarkeit hoher Versicherungskapazität ist nicht mehr gegeben.“ Bei der Lufthansa geht es um Milliardenrisiken. Rund 60 Prozent des Flottenrisikos der Gesellschaft sind beim Luftpool platziert. Künftig werde es noch wichtiger, auf die Finanzausstattung der Versicherer zu achten, damit im Schadenfall keine Probleme auftauchten, sagte Oelßner.

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Quelle: Financial Times Deutschland


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