Swiss Re nimmt sich Kritiker zur Brust

Rückversicherer-Chef Coomber wehrt sich gegen Gerüchte um Zahlungsmoral

Von Herbert Fromme, Monte Carlo Die Swiss Re wehrt sich gegen ihre Kritiker. „Ich habe das Gerede satt“, sagte Vorstandschef John Coomber bei einer Pressekonferenz in Monte Carlo. Coombers Wut bezieht sich auf Vorwürfe, Swiss Re zahle Schadensummen an ihre Kunden – die Erstversicherer – langsamer aus als andere Gesellschaften. „Das kommt von einigen Maklern aus London, und der Hintergrund ist unser Disput mit Lloyd’s über den Central Fund.“

Die Swiss Re sei in keiner Weise langsamer als ihre Wettbewerber, wenn es um das Zahlen berechtigter Ansprüche gehe. „Wir haben unsere Politik in dieser Hinsicht nicht geändert“, sagte er. „Aber wir wehren uns gegen unberechtigte Ansprüche.“ Um so einen Anspruch gehe es beim Central Fund.

Der Central Fund ist eine Lloyd’s-Einrichtung, aus der die 71 verschiedenen Versicherungskonsortien im Markt – die so genannten Syndikate – unterstützt werden, sofern sie durch Großereignisse unter Druck geraten. Lloyd’s hatte wiederum Rückversicherungsschutz für den Central Fund von 500 Mio. £ für einen Zeitraum von fünf Jahren bei einem Konsortium eingekauft, das von der Swiss Re geführt wird.

Die restlichen Versicherer sind Employers Re, St. Paul, XL Mid Ocean, Federal Insurance sowie eine Tochter der Hannover Rückversicherung.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hatte Lloyd’s bei der Swiss Re und ihren Partnern einen Schaden angemeldet, von dem rund 290 Mio. £ umstritten sind. Zurzeit findet darüber eine Schlichtungsverhandlung statt, die laut Coomber Ende 2004 beendet sein wird.

Die Swiss Re erklärte, der Rückversicherungsvertrag sehe eindeutig vor, dass er nur dann greife, wenn ein Syndikat insolvent werde und der Central Fund dafür keine ausreichenden Mittel habe. Lloyd’s habe aber freiwillige Zahlungen des Central Fund an Syndikate als Schaden gemeldet, um deren Kapitalausstattung zu erhalten. Lloyd’s ist offenbar anderer Ansicht. „Wir sind sicher, dass wir die Schlichtung gewinnen“, sagte ein Sprecher.

Swiss Re hält 33 Prozent am Konsortium und hat schon deutlich mehr als 100 Mio. £ dafür zurückgestellt.

Der Rückversicherer streitet zudem noch mit Larry Silverstein, dem Besitzer des World Trade Center (WTC). Streitpunkt ist, ob es sich bei dem Angriff der Terroristen auf das WTC um einen oder zwei Schäden handelt. Davon hängt ab, ob die Entschädigung von 3,5 Mrd. $ einmal oder zweimal fällig ist. Hier werde das Gerichtsverfahren spätestens Anfang 2004 beginnen, sagte Swiss-Re-Chef Coomber weiter. „Das kann dann allerdings noch sehr lange dauern, weil die unterlegene Seite mit Sicherheit in die Berufung geht.“

Coomber geht davon aus, dass die Preise in der Rückversicherung noch 2004 und darüber hinaus hoch bleiben werden. „Die Branche hat jetzt ein besseres Verständnis der Risiken, die sie trägt“, sagte er in Monte Carlo weiter. Die Neigung, um hoher Volumen willen beim Preis nachzugeben, sei deshalb gering.

Wie Michel Liès, Deutschland-Chef der Swiss Re, sagte, hat die Branche das durch die Terroranschläge auf das WTC und den Börsencrash verlorene Kapital noch lange nicht aufgeholt. „In dieser Hinsicht sind die Auffassungen der Rating-Agenturen über die Rückversicherung nicht ganz falsch“, sagt er. Die Rückversicherungsbranche habe Anfang 2001 ein Gesamtkapital von 900 Mrd. $ gehabt. Davon habe der WTC-Schaden 50 Mrd. $ vernichtet, die Aktienflaute schlage mit 150 Mrd. $ zu Buche.

An frischem Geld seien nicht mehr als 50 Mrd. $ in bestehende und neue Rückversicherungsunternehmen geströmt. Auch aus diesem Grund könne sich die Branche die scharfen Preisschwankungen von 20 Prozent Nachlass in einem Jahr und 30 Prozent Erhöhung im nächsten nicht mehr leisten, erklärte Liès weiter.

Zitat:

„Wir wehren uns gegen unbe-rechtigte Ansprüche“ – John Coomber, Swiss Re.

Quelle: Financial Times Deutschland


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