Wechseln lohnt

Rechtsform

Die Grundlage für die Megaübernahme des US-Lebensversicherers John Hancock hat die kanadische Manulife 1999 gelegt. Damals wurde das Unternehmen zu einer Aktiengesellschaft – jetzt kann es für die Übernahme des US-Konkurrenten mit eigenen Aktien zahlen. Bis 1999 war die Manulife ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, auf Englisch Mutual. Ein solcher Verein hat keine Aktionäre, sondern gehört seinen Mitgliedern – so wie ein Sportverein seinen Mitgliedern gehört. Auch viele deutsche Versicherer haben diese Rechtsform.

Für das Manulife-Management unter Dominic D’Alessandro stand fest, dass der Versicherer als Mutual die Wachstumsmöglichkeiten in Kanada und im Ausland kaum würde nutzen können. 1999 wurden die Versicherten befragt, ob sie ihre Mitgliedsrechte gegen Aktien tauschen wollten. Die Mehrheit stimmte der so genannten Demutualisierung zu. Insgesamt erhielten die Mitglieder Aktien oder Barabfindungen im Wert von 2,5 Mrd. kanadischen Dollar.

Deutsche Versicherungsvereine wehren sich offiziell gegen Demutualisierungen. Da aber auch sie die Notwendigkeit von mehr Flexibilität und einem besseren Zugang zu den Kapitalmärkten sehen, schaffen sie komplizierte Strukturen mit Zwischenholdings und Versicherungsvereinen als Obergesellschaften, die selbst kaum noch Geschäft machen.

Ein Effekt: Die Mitglieder der deutschen Vereine bekommen keinen Cent für die dennoch stattfindende faktische Demutualisierung.

Herbert Fromme .

Quelle: Financial Times Deutschland


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