Pharmaindustrie fürchtet große Deckungslücken

Versicherer setzen neues Deckungskonzept durch

Von Herbert Fromme, Frankfurt Deutsche Pharma-und Chemiefirmen müssen künftig mit Deckungslücken in ihrer Haftpflichtversicherung rechnen – zusätzlich zu drastischen Preiserhöhungen, die für die Pharmabranche schon Anfang des Jahres in Kraft getreten sind und bis zu 400 Prozent ausmachen.

„In der Versicherungsbranche gibt es einen klaren Trend weg vom bisherigen Deckungsprinzip“, sagte Georg Bräuchle, Mitglied der Geschäftsleitung des zweitgrößten deutschen Industriemaklers Marsh. Das gelte für die Pharmaindustrie schon seit Jahresanfang 2003, die Chemiebranche soll im kommenden Jahr folgen.

„Das neue, so genannte Anspruch-erhebungsprinzip gibt Versicherern die Möglichkeit, deutlich mehr Substanzen oder Verfahren aus ihren Deckungen auszuschließen“, sagte Marsh-Haftpflichtspezialistin Irene Hauschild. Nach dem bisherigen Schadenereignisprinzip muss ein Versicherer zahlen, wenn der Schaden in dem Jahr aufgetreten ist, für das er Deckung gewährt hat.

Nach dem neuen Prinzip haftet der Versicherer, der zum Zeitpunkt der Anspruchstellung Deckung gibt. Wenn die Ursachen für mögliche Ansprüche schon bekannt sind, können die Versicherer sie von der Deckung ausschließen.

Bräuchle sagte, dass insgesamt die Preise für Haftpflichtdeckungen stark steigen. Unternehmen kauften deshalb weniger Versicherungsschutz. Europaweit seien die Deckungssummen zwischen 2002 und 2003 um elf Prozent zurückgegangen. Vor allem für Unternehmen, die in die USA exportierten, sei diese Reduzierung sehr gefährlich.

Quelle: Financial Times Deutschland


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