Rückversicherer kämpfen um Ratings

Bewertung der Finanzstärke ist für Kunden wichtig · Trend geht nach unten

Von Ilse Schlingensiepen undHerbert Fromme Deutlich nach unten gehen die Ratings der Rückversicherer, die Bewertungen ihrer Finanzkraft durch international arbeitende Agenturen wie Standard & Poor’s (S&P), Moody’s oder AM Best. Die Belastung durch die Börsenkrise sowie Großschäden wie World Trade Center, Asbest und Umwelthaftpflicht hinterlassen auch in den Ratings ihre Spuren.

Der spektakulärste, aber keineswegs einzige Fall war der der Münchener Rück. Jahrelang hatte die Gesellschaft mit ihrer Spitzennote von „AAA“ bei S&P geworben, wurde aber dann auf „AA-“ herabgestuft. Im September kam es zu einer bizarren Auseinandersetzung mit S&P: Die Agentur kritisierte unter anderem die mangelhafte Kapitalausstattung. Die Münchener Rück wollte sich nicht zu einer – ohnehin geplanten – Kapitalerhöhung drängen lassen. S&P stufte daraufhin das Münchener Unternehmen auf „A+“ herab. Inzwischen hat die Münchener Rück die Kapitalerhöhung angekündigt. Die Verbesserung des Ratings wird aber noch eine Weile auf sich warten lassen.

„Man sollte sich die Schlachten aussuchen, die man gewinnen kann“, kommentierte ein Swiss-Re-Manager amüsiert. „Auseinandersetzungen mit der Presse oder den Rating-Agenturen gehören nicht dazu.“

Das weiß Wilhelm Zeller ganz genau, Chef der Hannover Rück. Er hat es – unter anderem mit Kapitalmaßnahmen zur richtigen Zeit – verstanden, das „AA-„-Rating zu halten und steht damit besser da als die Münchener Rück. „Mit dem,AA-‚ sind wir für alle Geschäftsfelder ein akzeptabler Rückversicherer“, sagte Zeller.

Versicherer und Rückversicherer müssen ihren Kunden finanzielle Solidität nachweisen – schließlich vertrauen die ihnen Prämien in der Hoffnung an, dass sie auch nach Jahren noch zahlungsfähig sind. Wer ein schlechtes Rating wie „BB“ vorweist, kann sich gleich aus dem Markt verabschieden. Kaum ein Finanzvorstand könnte riskieren, Risiken bei einem solchen Versicherer oder Rückversicherer zu platzieren. Könnte der im Schadenfall nicht zahlen, würde der Kunde mit Sicherheit den Kopf seines unvorsichtigen Managers fordern. Dabei haben es die Rückversicherer zur Zeit nicht einfach mit den Rating-Agenturen. Diese stehen dem gesamten Sektor sehr kritisch gegenüber. Von den Marktführern hat nur noch die Gen Re ihr „AAA“ behalten. Sie gehört zur Gruppe Berkshire Hathaway des Investors Warren Buffett. Die Swiss Re steht auf „AA“, die Employers Re auf „A+“.

Der allgemeine Trend nach unten relativiere aber auch die Bedeutung der Ratings für die Kunden, so ein Manager. „Sie bekommen als Rückversicherer ein gutes Rating nicht in Form höherer Prämien bezahlt“, sagte er. Gleichzeitig koste es aber viel Eigenkapital. „Ein,AAA‘ kann man eigentlich nicht ins Verdienen bringen“, sagte er.

Zitat:

„Mit,AA-‚ sind wir für alle Geschäftsfelder ein akzeptabler Rückversicherer“ – Wilhelm Zeller, Chef der Hannover Rück.

Quelle: Financial Times Deutschland


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