Aktientausch der Konzerne St. Paul und Travelers Property über 16 Mrd. Dollar · Druck auf Europäer steigt

Von Nicola Liebert, New York, und Herbert Fromme, Köln Die Versicherungskonzerne St. Paul Cos. und Travelers Property Casualty wollen sich zum fünftgrößten Schaden- und Unfallversicherer der USA gemessen an Prämieneinnahmen zusammenschließen. Die Unternehmen gaben gestern bekannt, dass es sich dabei um eine Fusion unter Gleichen handele. Sie wird per Aktientausch im Umfang von rund 16 Mrd. $ abgewickelt. Der Abschluss der Fusion ist für das zweite Quartal 2004 anvisiert.

Die Konsolidierung macht es für die europäischen Gesellschaften im US-Markt noch dringender, die Probleme ihrer Tochterunternehmen und Niederlassungen im größten Versicherungsmarkt der Welt zu lösen. Der Branchenriese Allianz hat lange unter den hohen Verlusten seiner Tochter Fireman’s Fund gelitten: Erst langsam verbessern sich deren Ergebnisse. Der Unternehmensversicherer Allianz Insurance Co. gab 2002 sogar das Haftpflichtgeschäft für US-Kunden komplett auf, weil dort nur Defizite eingefahren wurden. Auch die in den USA aktiven Rückversicherer, unter ihnen Münchener Rück, Swiss Re und Hannover Rück, werden die Konsolidierung spüren – große und finanzstarke Versicherer brauchen in der Regel weniger Rückversicherungsschutz.

Der neue US-Riese wird als The St. Paul Travelers Companies firmieren. Er hat eine Bilanzsumme von 107 Mrd. $ sowie Nettoprämieneinnahmen von 20 Mrd. $. In der Unternehmensversicherung wird der neue Konzern mit 15 Mrd. $ Prämieneinnahmen die Nummer zwei auf dem US-Markt sein. St. Paul verdreifachte sein Ergebnis im dritten Quartal auf 214 Mio. $, Travelers legte um 28 Prozent auf 426 Mio. $ zu.

Travelers Property Casualty wurde selbst erst im Vorjahr von Citigroup in die Unabhängigkeit entlassen. Der Finanzkonzern, der seinerseits 1998 aus der Fusion von Citicorp und Travelers hervorgegangen war, hielt eine Konsolidierung unter den Sachversicherern für notwendig, wollte sich jedoch selbst nicht stärker engagieren. Schäden wie nach den Terroranschlägen 2001 und beispielsweise Asbestklagen hatten auf die Gewinne der Versicherer gedrückt. Bereits im September kündigte der französische Axa-Konzern die Übernahme der Mony Group an, und die kanadische Manulife will John Hancock Financial Services kaufen.

Die Fusion von St. Paul und Travelers werde in den kommenden drei Jahren zu Einsparungen von 350 Mio. $ vor Steuern führen, hieß es auf einer Analystenkonferenz. „In einer Zeit der Konsolidierung in der Branche schaffen wir ein wesentlich größeres und diversifiziertes Unternehmen mit einer verbesserten Fähigkeit, Risiken zu übernehmen und zu managen“, sagte der Vorstandschef von St. Paul, Jay Fishman.

Im europäischen Markt wird die Fusion zunächst wenig direkte Auswirkungen haben. St. Paul hatte sich 2002 mit Ausnahme Großbritanniens und Irlands aus Europa zurückgezogen. Travelers tritt seit 1998 gemeinsam mit dem Industrieversicherer XL Winterthur im Markt für Industrierisiken auf. Diese Zusammenarbeit soll fortgesetzt werden.

Fishman wird Vorstandschef des neuen Konzerns, während Travelers-Chef Robert Lipp bis zu seiner Pensionierung Ende 2005 den Aufsichtsratsvorsitz übernimmt. Fishman war erst vor zwei Jahren vom Travelers-Chefsessel zu St. Paul gewechselt. „Beide Unternehmen haben in den vergangenen sieben Jahren größere Akquisitionen integriert, was eine gewisse Erfahrung bei dieser schwierigen Aufgabe belegt“, zeigte sich Jay Cohen, Analyst bei Merrill Lynch, zuversichtlich. Die Rating-Agentur Standard & Poor’s stellte mit Hinweis auf die finanzielle Stärke von Travelers eine Heraufstufung der St.-Paul-Schulden von derzeit „BBB+“ in Aussicht.

Bild(er):

Hauptsitz des Versicherungskonzerns Travelers in Connecticut: Die Märkte reagierten heftig auf die Hochzeit mit dem Rivalen St. Paul – Bloomberg/George Ruhe

Quelle: Financial Times Deutschland


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