Bankgeschäft drückt Ergebnis im dritten Quartal · Lebens- und Krankenversicherer enttäuschen weiterhin · Konkurrenz verdient mehr

Von Herbert Fromme, Köln Der Allianz-Konzern hat sein Ergebnis im dritten Quartal erneut verbessert. Die Versicherungs- und Bankengruppe erzielte einen Gewinn nach Steuern von 372 Mio. Euro. Damit hat der Konzern in den ersten neun Monaten 421 Mio. Euro verdient. Das ist zwar eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Verlust in Höhe von 974 Mio. Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Von einem Durchbruch in Richtung dauerhafter Profitabilität ist die Versicherungs- und Bankengruppe aber nach wie vor weit entfernt: Die Verbesserungen im Versicherungsgeschäft sind gerade groß genug, um die Belastungen durch die Problemfelder – vor allem die Dresdner Bank – auszugleichen.

Der neue Konzernchef Michael Diekmann liegt damit weiter hinter wichtigen Konkurrenten im globalen Versicherungsmarkt zurück. So kommt etwa der etwas größere US-Konkurrent American International Group (AIG) nach neun Monaten auf einen Gewinn von 6,57 Mrd. $, umgerechnet rund 5,58 Mrd. Euro. Auch die deutlich kleinere Generali in Triest verdiente mit 737 Mio. Euro mehr als der Münchner Konzern.

Grund ist vor allem das Bankgeschäft. Hier verbuchte der Konzern von Januar bis September einen Verlust nach Steuern von 454 Mio. Euro, dreimal so hoch wie die 152 Mio. Euro des Vorjahreszeitraums. Die operativen Erträge sanken von 5,8 Mrd. Euro auf 5,2 Mrd. Euro.

„Die Allianz hat ihre Position deutlich verstärkt, aber es bleibt noch viel zu tun“, sagte Finanzchef Helmut Perlet in einer Telefonkonferenz. Gute Fortschritte sieht er im operativen Geschäft der Schaden- und Unfallversicherer in der Gruppe. Das interne Wachstum – also unter Nichtbeachtung von Währungsfaktoren und Änderungen im Konsolidierungskreis – betrug 5,2 Prozent. Die Schaden-Kosten-Quote – also das Verhältnis von Schadenaufwand und Kosten, geteilt durch die Prämien – sank von 106,7 Prozent der Beitragseinnahmen in den ersten neun Monaten 2002 auf 96,9 Prozent 2003. Von der Zahl des Vorjahres entfielen 5,2 Prozentpunkte auf die Flutschäden und Asbestrückstellungen in den USA. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 1,64 Mrd. Euro auf 1,85 Mrd. Euro.

Perlet nannte drei Gründe für die Verbesserung: „Prämienerhöhungen, selektives Underwriting und eine geringere Schadenfrequenz.“ Unter Underwriting versteht die Branche die Auswahl von Risiken durch einen Versicherer. Ob die Verbesserung auf 96,9 Prozent ausreicht, um das Gewinnniveau zu halten, ist zweifelhaft. Der Markt für Schaden- und Unfallversicherungen befindet sich seit zwei Jahren in einer Hochpreisphase, deren Ende absehbar ist. Heute müsste der Konzern daher deutlich mehr verdienen. Zum Vergleich: Konkurrent AIG kommt auf eine Schaden-Kosten-Quote von 93,05 Prozent.

Fortschritte hat die Allianz in wichtigen Problemmärkten gemacht, vor allem Frankreich und den USA. „Wir haben die Verwaltungskosten in diesem Segment insgesamt um 390 Mio. Euro gesenkt“, sagte Perlet. Allerdings kann der Konzern vor allem in Frankreich mit der Schaden-Kosten-Quote von 104,2 Prozent – verglichen mit 109,0 Prozent im Vorjahr – immer noch nicht zufrieden sein. In den USA hat der Fireman’s Fund sein Ziel, für das volle Jahr eine Quote von unter 100 Prozent zu zeigen, fast erreicht: In den ersten neun Monaten lag sie bei 100,2 Prozent.

Enttäuschend war die Entwicklung in der Lebens- und Krankenversicherung. Zwar wuchs der Konzern hier bereinigt um Währungs- und Konsolidierungseffekte um 13,3 Prozent und meldete Prämieneinnahmen von 34,2 Mrd. Euro. Aber der operative Ertrag stieg um magere 126 Mio. Euro auf 789 Mio. Euro. Nach Steuern verdiente der Allianz-Konzern mit seinen Lebensversicherern nur 254 Mio. Euro.

Zitat:

„Es bleibt für die Allianz noch viel zu tun“ – Finanzchef Helmut Perlet

Bild(er):

Seit April 2003 führt Michael Diekmann (l.) den Allianz-Konzern. Das Sorgenkind Dresdner Bank leitet seit März Herbert Walter (r.). Die Quartalszahlen ließen sie Allianz-Finanzchef Helmut Perlet vortragen – Marc Darchinger; Laif/Katrin Denkewitz

Quelle: Financial Times Deutschland


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