Partner Deutsche Bank und Gerling liebäugeln mit Ausstieg aus Verwertungsholding Divaco · Konzern sucht nach schneller Lösung

Von Isabell Reppert, Christiane Ronke, Hamburg, und Herbert Fromme, Köln Nach dem kürzlich abgeblasenen Verkauf der Immobilien denkt der Handelskonzern Metro nun auch bei der Beteiligungsholding Divaco über einen Strategiewechsel nach. Der Metro-Vorstand will bis zum Jahresende eine Entscheidung treffen, was mit der 1998 ausgegliederten Gesellschaft passieren soll, hieß es aus unternehmensnahen Kreisen. Nicht auszuschließen sei, dass die in der Divaco gebündelten Unternehmen zumindest in Teilen wieder in der Metro-Bilanz konsolidiert werden, da der ursprünglich geplante Verkauf stockt. Metro wollte sich dazu nicht äußern.

Ende 1998 hatte der Konzern Tochterunternehmen wie Adler Modemärkte, Vobis und Maxdata in die Verwertungsgesellschaft Divaco ausgegliedert, um sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Damit die zum Teil defizitären Unternehmen nicht die Metro-Bilanz belasten, gab Metro die Mehrheit an der Divaco an die Deutsche Bank und den Versicherungskonzern Gerling ab.

Ursprünglich sollten die Divaco-Unternehmen bis Ende 2002 verkauft werden. Doch dies ist weitgehend gescheitert, weil Metro nicht die gewünschten Verkaufspreise erzielen konnte. Getrennt hat sich der Konzern unter anderem von den Tip-Discountern, der Mobiltelefonfirma Debitel und von Teilen der Kaufhalle.

Das undurchsichtige Beteiligungsgeflecht um die Divaco sorgt immer wieder für Kritik seitens der Analysten. Auch der ehemalige Chefjustiziar der Metro Hannjörg Hereth hat wegen vermeintlich unklarer Bilanzierungspraktiken rund um die Divaco im Sommer sogar eine Klage gegen den Metro-Vorstand eingereicht.

Das Management ist sich dessen bewusst, dass das Konstrukt der Divaco in der Öffentlichkeit schlecht ankommt. „Wir wissen, dass Divaco die Wahrnehmung des operativen Geschäfts beeinträchtigt“, sagte Metro-Chef Hans-Joachim Körber bei einer Analystenkonferenz Ende Oktober. Daher will der Vorstand nun möglichst schnell eine Lösung für die Divaco finden. „Die Divaco entwickelt derzeit Konzepte für eine Abwicklung“, sagte Finanzvorstand Thomas Unger den Analysten.

Druck für eine Lösung kommt offenbar auch von Seiten der Mitgesellschafter. Deutsche Bank und Gerling würden ihre Beteiligung gerne loswerden, verlautete aus der Branche. In Versicherungskreisen hieß es, der Ausstieg von Gerling bei Divaco sei beschlossene Sache. Der Zeitpunkt hänge davon ab, wann Restforderungen der Divaco an die Metro beglichen seien. Der Kölner Versicherungskonzern wollte dazu nicht Stellung nehmen. „Wir warten auf die Vorschläge der Metro“, sagte ein Sprecher. Auch die Deutsche Bank wollte sich nicht zu dem Thema äußern.

Dass es der Metro gelingt, das Problem durch einen zügigen Verkauf in den Griff zu kriegen, gilt in Unternehmenskreisen als unwahrscheinlich. Gute Verkaufschancen hätte wohl am ehesten noch die Modekette Adler. Interesse wird vor allem Finanzinvestoren wie zum Beispiel Permira nachgesagt. „Das andere zu verkaufen wird noch Zeit in Anspruch nehmen“, hieß es.

Sollten die Gesellschafter tatsächlich aussteigen, müsste Metro die Divaco-Gesellschaften womöglich wieder in die Bilanz zurücknehmen. Zwar müsste Körber damit eingestehen, dass das Konstrukt der Divaco gescheitert ist. Experten schätzen allerdings, dass der Effekt auf die Bilanz gering wäre. „Die Rating-Agenturen haben die Divaco in ihrer Bonitätsbewertung ohnehin berücksichtigt“, sagte ein Analyst. Auch bei der Immobiliengesellschaft AIB werde sich durch die geplante Wiedereingliederung der Objekte am Rating nichts ändern. Dies gelte vermutlich auch für Divaco. Positiv wäre aber, dass Metro transparenter würde.

Die Wiedereingliederung der Divaco in den Metro-Konzern könnte auch deshalb anstehen, weil Wirtschaftsprüfer in den letzten Jahren nichtkonsolidierte Beteiligungen immer kritischer sehen. „Wenn die Ausgliederung mit Verkaufsabsichten begründet wurde, und da tut sich nichts, muss man ein solches Konstrukt hinterfragen“, sagte ein Wirtschaftsprüfer.

Über die weitere Vorgehensweise gab es zwischen Divaco-Chef Siegfried Kaske und Metro-Chef Körber vor kurzem noch Unstimmigkeiten, berichtet ein Unternehmenskenner. Vielleicht gelingt es dem Metro-Vorstand aber, noch ein wenig Zeit zu gewinnen, wenn er die Gesellschafter Deutsche Bank und Gerling dazu bewegen kann, ein weiteres Jahr an ihren Beteiligungen festzuhalten.

Zitat:

„Wir warten auf die Vorschläge der Metro“ – Sprecher des Versicherungskonzerns Gerling

Bild(er):

Metro-Chef Hans-Joachim Körber wehrte sich bei der letzten Hauptversammlung gegen Kritik an der Bilanzierungsweise der Divaco – Jardai/modusphoto.com

Quelle: Financial Times Deutschland


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