Sparkassen prüfen Fusion der drei Provinzial-Gruppen

Hannover nimmt vorläufig nur Beobachterstatus ein

Von Herbert Fromme, Köln Die sieben Eigner der drei Provinzial-Versicherungsgruppen in Düsseldorf, Münster und Kiel haben einen Projektvertrag geschlossen, um die mögliche Fusion der drei bisher selbstständig in ihren Regionen agierenden Gruppen zu prüfen.

Kommt der Zusammenschluss zustande, wäre das die bisher größte Fusion im Lager der öffentlichen Versicherer. Eine Gruppe mit rund 5 Mrd. Euro Prämie würde entstehen. Zur Zeit schließen sich gerade die Sparkassenversicherer in Wiesbaden und Stuttgart zusammen.

Die treibenden Kräfte im Norden und Westen sind offenbar Olaf-Cord Dielewicz, Chef des Sparkassen-und Giroverbandes in Kiel, und sein Kollege Rolf Gerlach aus Westfalen. Die rheinischen Sparkassen hatten eigentlich einen Zweierbund zwischen den Provinzial-Gesellschaften in Münster und Düsseldorf im Auge, haben sich aber jetzt der Initiative für die große Lösung angeschlossen.

Die Fusion muss viele Hürden überwinden, die teils aus der komplizierten Eigentümerstruktur herrühren. An der Provinzial Düsseldorf sind die Sparkassenverbände im Rheinland und in Rheinland-Pfalz sowie der Landschaftsverband Rheinland, eine Zweckorganisation der Kommunen, mit je einem Drittel beteiligt. Die Provinzial Münster gehört je zur Hälfte den Sparkassen und dem dortigen Landschaftsverband. An Kiel halten die schleswig-holsteinischen Sparkassen 90 Prozent, die ostdeutschen den Rest.

Die öffentlichen Versicherer in Niedersachsen – führend ist hier die Versicherungsgruppe Hannover – sind nicht direkt in die Projektarbeit eingebunden. Statt dessen wird der Niedersächsische Sparkassenverband beobachtend teilnehmen. Das hat der Branche zufolge zwei Gründe. Zum einen ist die Eigentümerstruktur noch schwieriger als bei den anderen, weil die sieben so genannten Landschaften den Schaden-und Unfallversicherer sowie die Hälfte des Lebensversicherers kontrollieren.

Der zweite Grund ist die geringere Einflussnahme der Sparkassen – bedingt durch die Rolle der Landschaften als ständische Vertretungen aus Landadel, Prälaten, Städten und Kreistagen. Ihr wesentlicher, in der niedersächsischen Verfassung festgeschriebene Zweck ist die Kontrolle des Versicherers. Folglich steht das Management deutlich weniger unter dem Einfluss der Sparkassen als andere öffentliche Versicherer. „Hannover wird noch zwei bis drei Jahre brauchen, ehe sie sich beteiligen“, hieß es in Versicherungskreisen.

Der Projektvertrag der drei Provinzial-Gruppen besagt, dass die Schaden-und Unfallversicherer auch bei einer Fusion weiterhin als eigenständige Gesellschaften tätig sein sollten – allerdings unter dem Dach einer Holding. Für die Lebensversicherer und die Querschnittsfunktionen von IT bis Kapitalanlagen gilt diese Einschränkung nicht. Das Ergebnis der Prüfung könnte also sein, dass die drei Lebensversicherer fusionieren. „Festgelegt ist das bisher aber nicht“, sagte ein Manager.

Quelle: Financial Times Deutschland


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