Deutsche Gruppe ist 2003 erstmals wieder deutlich gewachsen · Lebensversicherer senkt dennoch die Überschussbeteiligung

Von Ilse Schlingensiepen und Herbert Fromme, Köln Die deutsche Axa-Gruppe will in den nächsten zwei bis drei Jahren ihren operativen Gewinn verdoppeln. Bislang sei ihr Gewinn verglichen mit den Margen in anderen Teilen des weltweiten Axa-Konzerns nicht zufrieden stellend, sagte Deutschland-Chef Claus-Michael Dill vor Journalisten in Köln. Für 2003 zeichne sich ein gutes Ergebnis ab, sagte er, ohne konkreter zu werden. Im Vorjahr hatte der Konzern einschließlich der Gewinne aus Kapitalanlagen ein operatives Ergebnis von 139,1 Mio. Euro erzielt.

Zuletzt hatte die Kölner Axa mit Ausnahme der Krankenversicherung mit einer deutlichen Wachstumsschwäche zu kämpfen und verlor permanent Marktanteile. Dies sei gestoppt, sagte Dill. „Wir haben 2003 ein klar positives Neugeschäft.“

In der Auto- und der Lebensversicherung gehöre die Axa zu den am stärksten wachsenden Gesellschaften. Bis Oktober sei es gelungen, netto 35 000 neue Autokunden zu gewinnen. Bei den Bruttoprämieneinnahmen erwartet die Gruppe insgesamt ein Plus von knapp fünf Prozent auf 6 Mrd. Euro. Praktisch überall seien die Schadenquoten um acht bis zehn Prozentpunkte gesunken.

„Wir fühlen uns operativ sauwohl“, charakterisierte der Vorstandschef die Lage. Das Unternehmen sei jetzt so strukturiert, dass es auch unter den härter gewordenen Bedingungen gut arbeiten kann.

Problemfelder sind die hohen stillen Lasten sowie die Unsicherheit über die Besteuerung der Aktienverluste. Wenn es hier bei den von der Regierung angekündigten Regelungen bleibe, habe sich die Strategie der Axa als richtig erwiesen, Abschreibungen aufzuschieben. „Dann werden wir 2003 deutlich abschreiben“, sagte Dill. Anfang 2003 hatte die Axa stille Lasten von rund 2 Mrd. Euro. Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern und es keinen Einbruch am Aktienmarkt gibt, werde die Axa im laufenden Jahr 60 Prozent der stillen Lasten reduzieren.

„Das heißt aber nicht, dass wir 1,2 Mrd. Euro abschreiben“, sagte Dill. Das Volumen hänge vom Aktienkurs ab. „Zurzeit sind wir eher an der Nulllinie als an 1,2 Mrd. Euro .“ Trotz der Abschreibungen will Dill unter dem Strich für 2003 einen Gewinn zeigen. 2004 seien die Altlasten komplett abgebaut. Wenn der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat andere Steuerregeln beschließt, müsse der Vorstand die Strategie überdenken.

Die Axa Lebensversicherung wird ihre Überschussbeteiligung senken. Die Gesamtverzinsung, also der Garantiezins plus Überschussbeteiligung, werde 2004 je nach Vertrag zwischen 3,5 und 4,3 Prozent betragen, kündigte Vorstand Heinz-Peter Roß an. 2003 waren es noch 4,7 bis 5,0 Prozent. Im Wettbewerb mit anderen Lebensversicherern werde sich die Axa auf das Thema der finanziellen Stabilität konzentrieren, sagte Roß weiter. „2003 hat uns gezeigt, dass es für uns ein richtiger Treiber war, zu den sichersten Gesellschaften im Markt zu gehören.“ Axa-Konzernchef Dill erwartet, dass die Debatte um die Solidität und Stabilität der Versicherer 2003 erst ihren Anfang genommen hat. „Der Zustand, dass die wirtschaftlichen Probleme von Versicherungsunternehmen in der Unsichtbarkeit geregelt werden, wird nicht wiederkommen“, sagte er.

Zitat:

„Trotz Abschreibungen sind wir 2003 unter dem Strich positiv“ – Axa-Chef Dill

Quelle: Financial Times Deutschland


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