Karriere

An den Chefposten dachte Nikolaus von Bomhard wohl kaum, als er während seiner juristischen Ausbildung mehrere Monate bei der Münchener Rück Station machte. Aber das Unternehmen und sein internationales Geschäft gefielen ihm. Den Ausschlag gab eine Tante, die als Filialleiterin der damaligen Hypobank die Bedeutung der Münchener Rück kannte und dem aufstrebenden jungen Mann nach der Promotion zu einer Karriere in der Rückversicherung riet.

Von Bomhard begann 1985 als Trainee bei dem weltgrößten Rückversicherer. Auf verschiedenen Ebenen lernte er das Geschäft von der Pike auf – vor allem in der Abteilung Feuer-Rückversicherung, in der er seit 1987 arbeitete und seine ersten internationalen Sporen erwarb. 1997 ging von Bomhard nach Sao Paulo, dort leitete er die wichtige Filiale der Münchener Rück und trug maßgeblich zum Ausbau des Südamerika-Geschäfts bei. Seit 2000 ist er im Vorstand der Münchener Rück und für das operative Geschäft in großen Teilen Europas zuständig.

Mit der Ernennung eines Rückversicherers – und nicht eines Finanzmannes – zum Chef setzte der ausscheidende Vorstandsvorsitzende Hans-Jürgen Schinzler ein Zeichen. Auch die Münchener Rück besinnt sich wieder auf ihr Kerngeschäft. Davon versteht von Bomhard eine ganze Menge. Auch seine internationalen Erfahrungen helfen ihm sehr. Er weiß um die gewaltigen Risiken, die das Unternehmen zum Beispiel mit seinem USA-Geschäft und den dortigen Haftpflichtproblemen eingeht. In viele andere Bereiche des weit verzweigten Konzerns, vor allem seine Erstversicherungstöchter in der Ergo und der Karlsruher, hat er sich in den vergangenen Monaten eingearbeitet. Von Bomhard hat keine leichte Aufgabe. Die Münchener Rück muss sich in ihrer Struktur und Organisation neu erfinden – ohne bewährte Kernkompetenzen aufzugeben. So wie bisher geht es aber nicht weiter. Jedenfalls soviel ist klar.

Herbert Fromme

Quelle: Financial Times Deutschland


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