Lebensversicherung benötigt Zuschuss für Altlasten

Von Herbert Fromme, Köln Die Gothaer Versicherungsgruppe erwartet für 2003 einen Gewinn von 40 Mio. Euro und damit die Rückkehr in die Gewinnzone. Im Vorjahr hatte der Konzern wegen des schlechten Kapitalmarkts einen Rekordverlust von 198 Mio. Euro erlitten.

„Die Maßnahmen zur Verschlankung der Strukturen greifen“, sagte Vorstandschef Werner Görg. Er verwies auf bessere Kernzahlen: Die Kapitalerträge stiegen von miserablen 13 Mio. Euro im Jahr 2002 auf 1,05 Mrd. Euro in diesem Jahr, die Beiträge um 50 Mio. Euro auf 4,11 Mrd. Euro. Die Gothaer Allgemeine verbesserte den Schaden- und Kostenaufwand von 97,1 Prozent der Beiträge auf 96,3 Prozent.

Für den Haftpflichtschaden von 50 Mio. Euro beim Milchwerk Humana – das fehlerhafte Babynahrung nach Israel geliefert hatte – rechnet Görg mit 20 Mio. Euro Aufwand für die Gothaer, den führenden Versicherer. Davon tragen Rückversicherer 19,1 Mio. Euro. „Wir haben die 0,9 Mio. Euro für eigene Rechnung schon 2003 verarbeitet.“ Görg korrigierte damit frühere Angaben, nach denen der Schaden die Gothaer selbst rund 10 Mio. Euro kostet.

Die Lebensversicherung steht nicht so gut da. Sie benötigt einen Zuschuss von 100 Mio. Euro vom Konzern, damit Altlasten aus Aktienverlusten in Höhe von 425 Mio. Euro größtenteils 2003 abgebaut werden. „Aus eigener Kraft wird die Gothaer Leben rund 250 Mio. Euro dafür aufbringen“, sagte Görg. Spätestens 2004 sollten die Altlasten verschwunden sein.

Die Gothaer Leben hatte bereits Mitte 2003 die Verzinsung der Sparanteile der Prämien von 5,25 Prozent auf 4,3 Prozent gesenkt. Für 2004 behält sie den Satz bei. Den bisherigen Stresstest der Finanzaufsicht BaFin würde die Leben immer noch nicht bestehen. Das liegt daran, dass der Stresstest die besondere Kapitalanlagestruktur der Gothaer nicht erfassen könne, sagte Görg. Besserung erhofft er sich von einer Modifizierung des Stresstests durch die Aufsicht.

Bei der Gothaer Kranken, die lange unter den Folgen einer mangelhaften Risikoauswahl litt, zeigt die radikale Sanierungs- und Preiserhöhungspolitik erste Erfolge. Seit August geht auch das Neugeschäft wieder bergauf. Noch verliert die Krankenversicherung aber Kunden: Die Zahl der Vollversicherten sank seit Ende November 2002 von 188 000 auf 170 000.

Zitat:

„Die Maßnahmen zur Verschlankung der Strukturen greifen“ – Gothaer-Chef Görg

Quelle: Financial Times Deutschland


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