Österreichs Marktführer steigt über kriselnden Versicherer in deutschen Markt ein · Mehrheit von 87 Prozent für 79,5 Mio. Euro

Von Herbert Fromme, Köln Für nur 79,5 Mio. Euro gelingt der österreichischen Versicherungsgruppe Uniqa der Einstieg in den deutschen Markt. Die Uniqa will 87 Prozent der angeschlagenen Mannheimer-Gruppe übernehmen, die dringend frisches Kapital braucht. Die Mannheimer Holding erklärte, sie habe 2003 einen Verlust von knapp 200 Mio. Euro erlitten – vor allem wegen der Abschreibungen auf ihren kollabierten Lebensversicherer. Das sei mehr als die Hälfte des Eigenkapitals.

„Von Insolvenzgefahr kann man aber nicht sprechen“, sagte ein Unternehmenssprecher. „Das ist ein rein bilanzielles Problem. Auch ohne Uniqa hätten wir eine Bilanz für 2003 hinbekommen.“

Der Einstieg bedeutet eine Kehrtwende der Österreicher: Noch im August hatte Uniqa-Chef Konstantin Klien dem Einstieg in Deutschland eine Absage erteilt. Einen Marktanteil von nur einem Prozent in dem gesättigten Markt aufzubauen sei sehr teuer, hatte Klien vor vier Monaten gesagt.

Inzwischen habe sich die Lage dramatisch geändert, sagte ein Uniqa-Sprecher in Wien. „Die Mannheimer benötigte dringend Kapital. Da ging es auch um den Schutz unseres bestehenden Investments.“

Die Uniqa hatte zuletzt ihren Anteil von 13 Prozent auf 19,6 Prozent erhöht. Außerdem halten die Münchener Rück zehn Prozent und sechs weitere Versicherer jeweils rund fünf Prozent. Jetzt wird das Grundkapital der Holding von nominell 25,8 Mio. Euro auf 10 Mio. Euro herabgesetzt.

Danach nimmt die Mannheimer eine Kapitalerhöhung von nominell 53 Mio. Euro vor, die vollständig von der Uniqa für 1,50 Euro pro Aktie übernommen wird. Mit Zustimmung der Finanzaufsicht BaFin will die Mannheimer das Bezugsrecht der anderen Aktionäre ausschließen, weil die Kapitalerhöhung der Sanierung dient. Als Konsequenz hält Uniqa dann 87 Prozent.

Die Uniqa hat enge Verbindungen zum genossenschaftlichen Lager. Mit 2,4 Mrd. Euro Prämieneinnahmen ist sie der größte Anbieter Österreichs. Rund 15 Prozent stammen aus dem rasch wachsenden Auslandsgeschäft, vor allem in Osteuropa. Dabei tritt die Uniqa überall unter einer Marke an. In Deutschland solle dagegen der Markenname Mannheimer erhalten bleiben, sagte ein Mannheimer-Sprecher.

Nach dem Kollaps ihres Lebensversicherers im Juni besteht die Mannheimer vor allem aus der Schaden- und Unfallgesellschaft Mannheimer Versicherung. Außerdem hält die Holding 49 Prozent an der Mannheimer Krankenversicherung. Die Mehrheit von 51 Prozent hat sie an die Continentale verkauft.

Die Mannheimer Leben hatte sich an der Börse verspekuliert. Sie musste das Neugeschäft einstellen, die 350 000 laufenden Verträge wurden auf Auffanggesellschaft Protektor übertragen, an der alle deutschen Lebensversicherer je nach Marktanteil beteiligt sind. Die Mannheimer Holding war ursprünglich verpflichtet, die Bilanzlücke der Mannheimer Leben zu schließen. Weil das den sofortigen Zusammenbruch der Gruppe bedeutet hätte, gewährte Protektor der Holding einen Kredit von 200 Mio. Euro. Jetzt erklärte Protektor sich bereit, auf rund 175 Mio. Euro dieses Darlehens zu verzichten. Es wird für nur 25 Mio. Euro abgelöst.

Zitat:

„Von Insolvenzgefahr kann man nicht sprechen“ – Mannheimer-Sprecher

Quelle: Financial Times Deutschland


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