Atradius und Euler Hermes erwarten niedrige Millionen-Belastungen · Zahlungsausfälle und Garantien betroffen · Auch Rückversicherer zahlen

Von Herbert Fromme, Köln Die Mehrzahl der Kreditversicherer geht bislang von überschaubaren Schadensummen aus der Pleite des italienischen Milchkonzerns Parmalat aus. „Das liegt daran, dass die Produktion weiter geht“, sagte ein Sprecher der Coface, Nummer drei auf dem Weltmarkt für Kreditversicherung. „Deshalb muss Parmalat auch seine Lieferanten bezahlen, zum Beispiel die Milchbauern.“ Sollte der insolvente Parmalat-Konzern den Betrieb einstellen müssen, werde der Schaden für die Versicherer sehr viel höher ausfallen.

Mit Blitzumfragen bei ihren Kunden versuchen die Kreditversicherer derzeit das Ausmaß der versicherten Schäden aus dem Parmalat-Skandal zu ermitteln. Kreditversicherer decken Unternehmen gegen Forderungsausfälle durch Konkurse bei deren Kunden ab. Außerdem geben sie Kautions- und Garantiedeckungen. Bedeutende Unternehmenszusammenbrüche führen in der Regel auch zu Großschäden für die Kreditversicherung.

Einen Überblick hat sich bereits Atradius geschaffen, früher Gerling NCM. „Wir erwarten einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag“, sagte ein Sprecher des global zweitgrößten Kreditversicherers. Davon müssten die Rückversicherer der Atradius einen bedeutenden Teil übernehmen. „Für eigene Rechnung bleibt ein einstelliger Millionenbetrag übrig.“

Bei Atradius schlägt unter anderem die Kautionsversicherung für die Mehrwertsteuer zu Buche. Italienische Firmen müssen sich für den Fall absichern, dass ihre Geschäftspartner die an den Staat abzuführende Mehrwertsteuer nicht entrichten können. Das ist bei Parmalat sehr wahrscheinlich der Fall.

Weltmarktführer Euler Hermes, der zum Allianz-Konzern gehört, geht von einem kleinen Schaden „zwischen 3 und 5 Mio. Euro für eigene Rechnung“ aus. Das sagte eine Sprecherin in Paris. Die Zahl beruhe auf einer Umfrage bei 95 Prozent der betroffenen Kunden.

Die Münchener Rück wird die Parmalat-Krise über Rückdeckungen für Kreditversicherer spüren. Sie sei im unteren zweistelligen Millionenbereich betroffen, sagte ein Sprecher. „Das bezieht sich nur auf die Versicherungsseite. Auf der Anlageseite, also bei Aktien und Anleihen, trifft uns Parmalat nicht“, sagte er.

Neben den Kreditversicherern machen sich auch die Haftpflichtversicherer Sorgen. Vor allem Gesellschaften, die Wirtschaftsprüfer und Manager gegen Ansprüche Dritter abgesichert haben, könnten betroffen sein. Allerdings sind vorsätzlich herbeigeführte Schäden, etwa durch Betrug, von der Deckung ausgeschlossen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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