Interview mit Chef des Versicherers Konstantin Klien · Geplatzte Kooperation mit Nürnberger überrascht Vorstand

Von Herbert Fromme, Köln Der österreichische Versicherungskonzern Uniqa will nach der Übernahme der Mehrheit an der Mannheimer Versicherung deren Markennamen beibehalten. Das sagte Vorstandschef Konstantin Klien der FTD.

Bei anderen Töchtern, vor allem in Osteuropa, besteht die Uniqa darauf, mit der einheitlichen Konzernmarke anzutreten. Bei der künftigen deutschen Tochter handele es sich aber um einen wichtigen Spezialversicherer. „Natürlich werden wir im Backoffice Synergieeffekte schaffen“, sagte Klien. Die Mannheimer werde im Konzern zum Kompetenzzentrum für Transport, Kunst und andere Spezialsparten.

Für 80 Mio. Euro will die Uniqa ihren Anteil am angeschlagenen Mannheimer-Konzern von heute 19,6 Prozent auf 80 Prozent aufstocken. Die Mannheimer ist wegen der Schieflage der Lebensversicherungstochter und deren Schließung im Sommer in einer schwierigen Lage. Allerdings kann Klien, wenn alles gut geht, einen beinahe besenreinen Versicherer übernehmen: Die Auffanggesellschaft Protektor, bei der die Mannheimer noch 200 Mio. Euro Schulden aus dem Lebensversicherungsdebakel hat, will auf 175 Mio. Euro davon verzichten.

„Als wir im Sommer verhandelten, war die Mannheimer zu teuer. Damals war der Lebensversicherer noch dabei“, sagte Klien. Jetzt übernehme er im wesentlichen nur den Schaden- und Unfallversicherer mit einem Prämienvolumen von 263 Mio. Euro. „Da sind 80 Mio. Euro ein günstiger Preis“, sagte er. Altlasten bei der deutschen Gesellschaft befürchtet er nicht. „Die Mannheimer Versicherung ist wegen der Krise die bestgeprüfte Gesellschaft, die es gibt.“

Zur Zukunft des Anteils an der Mannheimer Kranken – an der die Continentale jetzt 51 Prozent und die Mannheimer noch 49 Prozent hält – wollte Klien nichts sagen. „Ich kann dem Mannheimer-Management nicht vorgreifen.“ Die Vertriebskooperation mit der Continentale sei sicher „eine gute Sache“. Auch zur Zukunft des Mannheimer-Managements äußerte sich Klien nicht – außer der Bemerkung, dass es sich bei der Mannheimer jetzt ja um einen reinen Schaden- und Unfallversicherer handele.

Trotz der Mannheimer-Übernahme habe die Uniqa den Schwerpunkt ihres Auslandsgeschäfts nicht geändert. „Der liegt weiter in Mittel- und Osteuropa.“

Der Konzern habe sich 2003 unter anderem wegen der guten Börsenentwicklung gut geschlagen. Dazu kommen Fortschritte im operativen Geschäft. „Wir liegen voll in unserem Dreijahresprogramm“, sagte Klien. Wenig beunruhigt zeigte sich der Uniqa-Chef vom Platzen der Kooperationsvereinbarung mit der Nürnberger Versicherungsgruppe. Im September hatten sich beide Seiten auf den Verkauf der österreichischen Nürnberger-Tochter an die Uniqa geeinigt. Gleichzeitig wollten die Holding-Gesellschaften gegenseitig drei Prozent ihrer Aktien übernehmen. Beide Schritte wurden am Freitag abgesagt. „Nach der geplanten Übernahme der Mannheimer durch die Uniqa werden wir in Deutschland Konkurrenten. Das verträgt sich nicht mit der Kooperation“, sagte ein Nürnberger-Sprecher.

Klien gab sich überrascht. „Unser strategisches Interesse der Uniqa an der Mannheimer ist der Nürnberger während der Verhandlungen immer bekannt gewesen“, sagte er.

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Zitat:

„Da sind 80 Mio. EuroEuro ein günstiger Preis“ – Uniqa-Chef Klien

Quelle: Financial Times Deutschland


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