Kapitalstarker Partner soll Zukunft des zweitgrößten Industrieversicherers sichern · Veräußerung der Globale offen

Von Herbert Fromme, Köln Der Kölner Versicherungskonzern Gerling bereitet nach Informationen der FTD konkret den Verkauf der operativen Versicherungsgesellschaften vor. Damit sollen der Umbau und die Sanierung des zweitgrößten deutschen Industrieversicherers abgeschlossen werden.

Gerling-Chef Björn Jansli will einen oder mehrere Käufer für die Zwischenholding Gerling Beteiligungs-Gesellschaft finden, die im wesentlichen die Gerling Allgemeine und die Gerling Leben kontrolliert, hieß es in Konzernkreisen. Der Einzelverkauf der Töchter stehe nicht mehr auf der Tagesordnung.

Mit dem Erlös will Jansli die gewaltigen Pensionslasten der Gerling Holding finanzieren Der Rest käme den Eignern Rolf Gerling, der 94 Prozent hält, und Joachim Theye mit 6 Prozent zu Gute. Rolf Gerling braucht dringend Geld, um seine Schulden zu bedienen.

„Viel Zeit hat Jansli nicht“, sagte ein Versicherungsanalyst. „Die operativen Gesellschaften Gerling Allgemeine und Gerling Leben brauchen sehr bald frisches Kapital. Von Rolf Gerling kann das nicht kommen.“

Mit dem Verkauf wäre die Zerlegung des Kölner Konzerns komplett. Das Familienunternehmen hat in den vergangenen zwei Jahren schwer für seine Überexpansion gebüßt. Vor allem der Rückversicherer brachte die Gruppe durch mangelhaft geprüfte Zukäufe in den USA und die Übernahme verlustbringenden Geschäfts an den Rand des Kollapses.

Der im März 2002 auf Druck des Minderheitsaktionärs Deutsche Bank begonnene Versuch, den Konzern als Ganzes zu verkaufen, scheiterte. Im Mai 2003 gab die Bank ihren Anteil von 34,6 Prozent für 1 Euro an Rolf Gerling ab – offenbar ist sie der Ansicht, dass der Versicherer wertlos ist.

Jansli versucht, das Gegenteil zu beweisen. Am wenigsten Sorgen machte der Kreditversicherer. Die frühere Gerling NCM wurde verkauft und wird jetzt von der Swiss Re mit 47,5 Prozent und der Deutschen Bank mit 38,4 Prozent kontrolliert.

Problematischer ist die Lage beim Rückversicherer Globale. Gerling hat das Unternehmen an den Manager Achim Kann verkauft, der die Abwicklung vornehmen soll. Aber auch 14 Monate nach Ankündigung des Deals sind die Aktien nicht übertragen. Die New Yorker Versicherungsaufsicht hat bisher nicht zugestimmt. Da ein großer Teil der Abwicklung in den USA stattfindet, würde ein Verkauf ohne Plazet der US-Aufseher zu Komplikationen führen.

Inzwischen hat der Gerling-Konzern auch mit der arabischen Investmentbank Capital Union (CU) verhandelt. An der CU ist die Credit Suisse mit 25 Prozent beteiligt. Das Unternehmen mit Sitz in Bahrain und Dubai hat 250 Mio. Euro Cash für die Globale geboten, während Kann seinen Preis von 200 Mio. Euro plus möglicher höherer Abwicklungsgewinne erst nach und nach zahlen muss. Zur Zeit werde diskutiert, ob CU als Ausgleich für Risiken bei dem Rückversicherer einen großen Teil des lukrativen Asset Managements für die knapp 30 Mrd. Euro Kapitalanlagen der Gruppe übernimmt, heißt es.

Hier gibt es aber weit auseinanderliegende Auffassungen darüber, was eine Investmentbank mit den Kapitalanlagen eines deutschen Versicherers machen kann. Gerling hatte sich in einer Absichtserklärung verpflichtet, bis Ende 2003 exklusiv mit CU zu verhandeln. Offenbar räumt Jansli den Gesprächen jetzt kaum noch Chancen ein. Der Konzern spricht inzwischen auch mit der Privatbank Sal. Oppenheim über den möglichen Verkauf seiner Asset-Management-Gesellschaft spricht.

Auch die Kerngesellschaften Gerling Allgemeine und Gerling Leben litten unter dem Kapitalmangel und den Problemen des Konzerns. Trotz einer Kapitalspritze von 150 Mio. Euro durch Industriekunden an die Allgemeine brauchen sie bald frisches Geld, um Wachstum zu finanzieren. Das kann nur von einem finanzstarken Mehrheitsaktionär kommen, den Jansli sucht.

Zitat:

„Viel Zeit hat Gerling-Chef Jansli mit dem Verkauf nicht“ – Versicherungsanalyst

Bild(er):

Millionenerbe Rolf Gerling hält noch 94 Prozent der Gerling Holding. Er benötigt dringend Geld – Marc Darchinger

Quelle: Financial Times Deutschland


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