Touristikkonzern platziert ein Drittel der Schifffahrtstochter und verkauft Logistiksparte · Erlöse sollen Schulden senken

Von Jenny Genger, Hamburg, und Herbert Fromme, Köln Der weltgrößte Touristikkonzern TUI bringt seine Hamburger Reederei Hapag-Lloyd in der zweiten Jahreshälfte wieder an die Börse. TUI teilte gestern mit, dass rund ein Drittel der Anteile der Schifffahrtstochter platziert werden sollen. Gleichzeitig trennt sich der Konzern vom gesamten Logistikgeschäft. Mit den erwarteten Erlösen von 1 Mrd. Euro aus dem Börsengang und den Verkäufen will TUI seine Verschuldung auf „deutlich unter 2 Mrd. Euro“ senken. Hapag-Lloyd soll sich künftig ganz auf die sehr rentable Container- und die Kreuzschifffahrt konzentrieren.

Mit den Börsen- und Verkaufsplänen korrigiert TUI-Chef Michael Frenzel seinen bisherigen Kurs. Eigentlich galt der rigide Umbau der früheren Preussag zum Touristikkonzern bereits als weitgehend abgeschlossen. Nach dem Verkauf der Energiesparte im vergangenen Jahr hatte TUI angekündigt, auf die zwei Säulen Touristik und Logistik zu bauen. Rückzugsabsichten aus der erst 2002 vollständig übernommenen Tochter Hapag-Lloyd hatte der Vorstand stets abgestritten. Der Sinneswandel überraschte selbst die Tochter: „Wir haben erst vor zwei Tagen von dem Plan für den Börsengang erfahren“, sagte Hapag-Lloyd-Vorstandschef Michael Behrendt der FTD.

Auch die Finanzmärkte traf die Nachricht unvorbereitet. Dazu kam, dass der TUI-Aufsichtsrat beschloss, die Dividende für 2003 stabil bei 77 Cent zu halten. Die TUI-Aktie schoss daraufhin zeitweise um mehr als elf Prozent in die Höhe und schloss bei 20,45 Euro.

TUI konnte sich kaum einen besseren Zeitpunkt für den Börsengang – den dritten in Deutschland in diesem Jahr neben der Postbank und Auto-Teile-Unger – aussuchen. Denn der stark wachsende Welthandel lässt auch den Schifffahrtsmarkt boomen. Das macht Hapag-Lloyd für Investoren attraktiv.

Für Behrendt kommt der Schritt äußerst gelegen: „Damit werden die Aktien breit gestreut.“ Das eröffne zusätzliche Finanzierungsquellen. Bei dem angestrebten Ausbau zu einer der fünf führenden Container-Reedereien könne man nun auch eigene Aktien als Währung einsetzen.

An einer Mehrheit an der Hapag-Lloyd hält TUI trotz des Börsengangs fest. „Die Schifffahrt bleibt weiterhin Teil des TUI-Konzerns“, sagte Konzernchef Frenzel.

Verkaufen will TUI dagegen das Transportunternehmen VTG-Lehnkering. „Es gibt viele Interessenten, die bei uns angeklopft haben“, sagte Finanzvorstand Rainer Feuerhake in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Auch für die 67-Prozent-Beteiligung am französischen Mobilbauten-Unternehmen Algeco sucht der Konzern Käufer.

Durch die Börsen- und Verkaufserlöse will TUI nicht nur die Schulden von derzeit 4 Mrd. Euro um 1 Mrd. Euro stärker senken als bisher geplant und damit binnen eines Jahres halbieren. Die verbesserte Finanzstruktur schaffe auch Spielraum für eine weitere Expansion. „Wir haben noch keine konkreten Pläne für künftige Investitionen, aber wir sehen durchaus Möglichkeiten für Wachstum in der Touristik“, sagte Feuerhake.

Der beschleunigte Schuldenabbau macht zudem TUI selber für Investoren attraktiver. Hauptgesellschafter WestLB hatte im Herbst angekündigt, mittelfristig seine Beteiligung von 31 Prozent zu veräußern. Die WestLB betonte jedoch gestern, dass sie dabei nicht unter Zeitdruck stehe. Dass TUI die eigenen Aktien zurückkauft, erwägt der Vorstand laut Feuerhake derzeit nicht.

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Quelle: Financial Times Deutschland


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