Versicherung prüft Umwandlung in Aktiengesellschaft

Von Andrew Bolger, London, und Ilse Schlingensiepen, Köln Der britische Lebensversicherer Standard Life hat gestern überraschend Konzernchef Ian Lumsden durch den langjährigen Chef der hauseigenen Investmentgesellschaft, Sandy Crombie, ersetzt. Europas größter Gegenseitigkeitsverein plant außerdem eine „strategische Überprüfung“ seiner Lage. Ein Ergebnis könnte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft sein.

Als Sofortmaßnahme wird sich Standard Life von den Finanzmärkten 750 Mio. £ in Form einer nachrangigen Anleihe holen. In Beispielrechnungen für Kunden werden Gewinnanteile von bis zu 0,75 Prozent, die aus dem Gegenseitigkeitsstatus stammen sollen, nicht mehr gezeigt. Gleichzeitig werden ihnen die Kosten für Garantiezinsen berechnet.

Die Schritte folgen schwierigen Verhandlungen mit der britischen Finanzaufsicht FSA. Die FSA lässt trotz der Einigung selbstständig untersuchen, warum es „deutliche Unterschiede“ zwischen Standard Lifes Berechnung der Verbindlichkeiten vor einem Jahr und neueren Kalkulationen in den letzten Wochen gibt.

Der Lebensversicherer investiert traditionell deutlich über die Hälfte der Kapitalanlagen in Aktien und wurde deshalb in den vergangenen drei Jahren durch die Börsenkrise schwer getroffen.

Erst in zwei bis drei Wochen werde feststehen, inwieweit die Kunden in Deutschland und Österreich von den Maßnahmen betroffen sein werden, sagte ein Sprecher der deutschen Niederlassung. „Wir prüfen zur Zeit, ob die Anpassung der Beispielrechnung hier Anwendung findet und wie viel das ausmachen würde“, sagte er. Standard Life hat zur Zeit in Deutschland über 200 000 Kunden, im vergangenen Jahr verkaufte der Versicherer 52 000 neue Verträge.

Quelle: Financial Times Deutschland


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