Von Margaret Heckel, Berlin, und Herbert Fromme, Köln Die klassische, allein vom

Von Margaret Heckel, Berlin, und Herbert Fromme, Köln Die klassische, allein vom Arbeitgeber finanzierte Betriebsrente wird immer seltener: 48 Prozent der Zusagen werden zur Zeit noch vom Arbeitgeber finanziert. Im April 2001 waren es aber noch 54 Prozent. 36 Prozent zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer inzwischen gemeinsam, vor 20 Monaten waren es nur 27 Prozent. Die übrigen Betriebsrenten finanzieren die Arbeitnehmer ganz aus eigener Tasche.

Dennoch erlebt die betriebliche Altersvorsorge derzeit in Deutschland eine Renaissance: Hatten im April 2001 nur 29 Prozent der Beschäftigten in der Privatwirtschaft eine derartige Zusatzversorgung für das Alter, waren es im April 2003 bereits 42 Prozent oder 9,6 Mio. Beschäftigte – eine Steigerung von 45 Prozent in nur zwei Jahren. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums hat sich der Zuwachs seitdem weiter beschleunigt: Vor allem bei Frauen und in den neuen Bundesländern nähme die Zahl betrieblicher Renten überproportional zu.

Dieser Zuspruch hat zum einen mit den Kürzungen bei der gesetzlichen Rente, vor allem aber mit einer deutlich besseren finanziellen Förderung der Betriebsrenten zu tun. Viele Branchen, wie beispielsweise der Chemie- und Energiesektor, aber auch die Metallindustrie, haben daraufhin tarifliche Vereinbarungen für die neue Altersvorsorge getroffen.

Allerdings gibt es große Unterschiede in der Art und Weise der Absicherung: Der klassische – und nun bei der Commerzbank gekündigte – Weg sind Betriebsrenten, bei denen eine Firma ihren Mitarbeitern Versorgungszusagen macht und diese auch allein finanziert. Unternehmen nutzten sie in den 60er und 70er Jahren im Wettbewerb um die knappen Arbeitskräfte.

Für die klassischen Betriebsrenten haben die deutschen Unternehmen mehr als 250 Mrd. Euro zurückgestellt. Experten schätzen, dass nur rund die Hälfte davon kapitalgedeckt ist. Die andere Hälfte wurde von den Unternehmen in die eigenen Betriebe investiert. Um für die späteren Rentenzahlungen gewappnet zu sein, muss das Unternehmen Pensionsrückstellungen bilden. Das gibt ihm den Vorteil zusätzlicher liquider Mittel. Eigentlich handele es sich aber um ein Umlageverfahren, da die aktuell Beschäftigten die Rente der früher Beschäftigten erwirtschaften müssen, bemängeln vor allem internationale Analysten.

In der Auszahlungsphase fehlt es oft an Liquidität, um die Pensionsversprechen einzulösen. Auch sind die Rückstellungen bei vielen Firmen viel zu niedrig. Denn bei der Höhe der Rückstellung ließen sie sich eher von den Regeln des Einkommensteuergesetzes leiten als von den versicherungsmathematisch berechenbaren Rahmenbedingungen wie Lebenserwartung, Invaliditätsrisiko oder Einkommensentwicklung.

Probleme bekommen die Unternehmen, wenn sie vom deutschen Handelsgesetzbuch auf die Bilanzierung nach internationalen Rechnungslegungsstandards umstellen. Denn dann müssen sie möglichst realistische Annahmen über die Höhe der Zahlungsverpflichtungen vorlegen. Beispiel Schering: Als das Unternehmen 1994 auf die International Accounting Standards (IAS) umstellte, entstand ein außerordentlicher Aufwand von 125 Mio. DM durch eine nötige Steigerung der Pensionsrückstellungen um acht Prozent.

Derzeit müssen die Unternehmen nicht mehr mit Betriebsrentenzusagen um Arbeitskräfte buhlen. Sie sind für neue Beschäftigte praktisch abgeschafft. Gesetzlich gefördert und deshalb im Aufwind sind Direktversicherungen, Pensionsfonds und Pensionskassen, bei denen in der Regel Versicherer als Anbieter auftreten – und für die vor allem die Mitarbeiter die Beiträge zahlen. Für die Metallbranche ist das beispielsweise die Metallrente.

Seit Anfang 2002 hat der Staat bestimmte Formen der betrieblichen Altersvorsorge besonders attraktiv gemacht: So können Arbeitnehmer über die so genannte Entgeltumwandlung bis zu vier Prozent ihres Bruttoeinkommens (bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 61 800 Euro im Jahr) steuer- und sozialabgabenfrei sparen. Während der Arbeitnehmer auf die Erträge dann bei Rentenbezug Steuern und Sozialabgaben zahlen muss, spart das Unternehmen seine Hälfte der Sozialabgaben komplett. Nach Angaben des Sozialministeriums liegt der durchschnittliche Betrag für die Entgeltumwandlung derzeit bei 700 Euro im Jahr.

Zitat:

„Die Pensionsrückstellungen sind oft viel zu niedrig „

Quelle: Financial Times Deutschland


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