Allianz stärkt Kapitalbasis mit milliardenschwerer Anleihe

Versicherungskonzern löst kurzfristige Schulden ab

Von Herbert Fromme, Köln Mit der Ausgabe einer nachrangigen Anleihe in Höhe von mindestens 1 Mrd. Euro nutzt die Allianz-Gruppe die momentan niedrigen Zinsen und stärkt ihre Position gegenüber den internationalen Rating- agenturen. Ausgabepreis und Zins werden in dieser Woche festgelegt. Das Unternehmen rechnet mit einer Nominalverzinsung von rund sechs Prozent. Die Allianz hatte bereits im Rahmen der Kapitalerhöhung im Frühjahr 2003 angekündigt, dass sie langfristige Anleihen bis zu 1,5 Mrd. Euro aufnehmen wolle.

Der Konzern will mit dem frischen Geld kurzfristige Verbindlichkeiten abbauen. Die Schulden in Form kurzfristiger Schuldverschreibungen („Commercial Papers“) sollen um 1 Mrd. Euro reduziert werden. Ende 2003 sie betrugen rund 3 Mrd. Euro.

„Das historisch niedrige Zinsniveau und die hohe Liquidität im Markt bieten uns eine hervorragende Gelegenheit, kurzfristige Verbindlichkeiten durch langfristige zu refinanzieren, und das zu attraktiven Bedingungen“, sagte Allianz-Manager Stephan Theissing, Leiter der Abteilung Corporate Finance.

Die Anleihe nutzt auch dem Allianz-Rating. Der Konzern wird zur Zeit von Standard & Poor’s mit „AA-“ bewertet bei negativem Ausblick. Um zumindest dieses Rating bei starkem Wachstum zu behalten, muss die Allianz ihre Eigenkapitalbasis stärken. Nach der Kapitalerhöhung im April 2003, bei der das Unternehmen den Aktienmarkt um 4,4 Mrd. Euro anzapfte, ist der erneute Weg über eine solche Erhöhung wohl verbaut – nicht aber der über Hybridkapital.

Als Hybridkapital werden Anleihen bezeichnet, die im Insolvenzfall erst nach anderen Schulden bedient werden und daher „nachrangig“ sind. Sie gelten für die Ratingagenturen bis zu einem gewissen Grad als Eigenkapitalersatz. Kurzfristig dürfte die Bond-Emission aber keine Auswirkungen auf das Rating des Konzerns haben.

Wie stark die Bewertung durch die Agenturen schwanken kann, musste die Allianz zuletzt Ende Januar erfahren. Standard & Poor’s senkte die Beurteilung der Transportversicherungstochter Allianz Marine & Aviation von „A+“ auf „A-„. Die Agentur begründete den Schritt mit ihrem Zweifel an der langfristigen Profitabilität der Transportsparte und dem hohen Kapitaleinsatz, den ein Versicherer dafür benötige. Mittel- und langfristig habe Allianz Marine & Aviation keine große strategische Bedeutung für den Mutterkonzern.

Quelle: Financial Times Deutschland


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