Personalgerüchte überschatten Zürich-Financial-Zahlen

Spekulationen über Zukunft von Chief Executive Schiro

Von Herbert Fromme, Köln In der Schweiz machen Gerüchte über die Rolle von James Schiro die Runde, dem erfolgreichen Sanierer bei der Zurich Financial Services (ZFS). In Versicherungskreisen hieß es, Schiro werde vom Posten des Chief Executive an die Spitze des Verwaltungsrates (VR) wechseln. Für den Management-Chefposten suche die ZFS extern einen Nachfolger. Anderen Quellen zufolge steht ZFS-Vorstand Axel Lehmann als „Kronprinz“ fest und beerbt Schiro.

Ein ZFS-Sprecher gab keinen Kommentar ab. „Schiro wird dazu am Donnerstag Stellung nehmen“, sagte er. Dann legt ZFS die Zahlen für 2003 vor.

Sicher ist, dass der 73-jährige Verwaltungsratspräsident Lodewijk van Wachem sein Amt am 16. April abgeben wird. Der Niederländer – vorher VR-Vizepräsident – hatte den Posten in der schwersten Krise des Unternehmens 2002 übernommen. Damals war Rolf Hueppi zurückgetreten. Hueppi hatte ein Doppelmandat als Chief Executive und Verwaltungsratspräsident. Der VR-Chef ist vergleichbar einem Aufsichtsratsvorsitzendem, hat aber mehr Befugnisse und Aufgaben im Tagesgeschäft. Schiro strebe für eine Übergangszeit ebenfalls ein Doppelmandat an, lautet eine dritte Spekulation – angesichts der Unzufriedenheit der Investoren mit dieser Doppelrolle bei Rolf Hueppi wäre das überraschend.

Der US-Bürger James Schiro wird am Donnerstag nach Analystenschätzungen einen Gewinn von rund 1,9 Mrd. $ vorweisen können. Die Sanierung des Konzerns ist in weiten Teilen abgeschlossen. Für 2002 hatte Schiro noch einen Rekordverlust von 3,4 Mrd. $ melden müssen, weil er hohe Abschreibungen vornahm und die Rückstellungen verstärkte.

Unter Vorgänger Hueppi war die ZFS wegen aggressiver Expansion und schwerer Aktienverluste in die Krise geraten. Inzwischen ist das Verkaufsprogramm fast komplett, die Sparmaßnahmen greifen. Mit den Zahlen für 2003 kann Schiro die Ernte der Sanierung einfahren.

Inzwischen hat er auch die Führung umorganisiert. Axel Lehmann ist seit Dezember für Kontinentaleuropa und Großbritannien zuständig, die beiden bisher getrennten Geschäftsbereiche wurden zusammengelegt. Sandy Leitch, bis dahin für Großbritannien, Irland und Südafrika zuständig, ist ausgeschieden.

Im Markt agiert die ZFS wieder sehr munter. So ist sie nach einer Phase der Neuorientierung in Deutschland seit Mitte 2003 aggressiv im Geschäft mit schweren Risiken aktiv und hat große Kunden gewonnen wie Siemens und ThyssenKrupp. Allerdings gab es auch schon Großschäden aus diesen Verbindungen.

Bild(er):

Im Gespräch: ZFS-Chef James Schiro – AP/Michele Limina

Quelle: Financial Times Deutschland


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