Swiss Life bleibt auf Banca del Gottardo sitzen

Unicredito lehnt Übernahme wegen zu hoher Preisvorstellung ab · Schweizer Versicherer schließt Börsengang seiner Tochter nicht aus

Von Claudia Wanner, Frankfurt, und Herbert Fromme, Köln Die Banca del Gottardo geht nicht an die italienische Unicredito. Der Lebensversicherer Swiss Life als Eigentümer der im Tessin ansässigen Bank für Vermögende erklärte gestern die exklusiven Verhandlungen mit dem Konsortium aus Unicredito, der Schweizer Bank Swissfirst und einigen privaten Investoren für gescheitert. Die Parteien konnten sich nicht auf einen Preis für die Gotthardbank einigen. Swiss Life will nun andere Lösungen für die Banktochter prüfen. Spätestens zur Vorlage der Bilanz am 30. März sollen die weiteren Schritte feststehen.

Swiss Life will mit dem Verkauf den teuren Ausflug in das Bankgeschäft beenden. Das Unternehmen hatte 2002 1,69 Mrd. Franken Verlust verzeichnet. Hauptgrund waren hohe Abschreibungen auf übernommene Gesellschaften wie die Banca del Gottardo. Dazu kamen Belastungen von 0,8 Mrd. Franken aus Kapitalanlagen.

Jetzt konzentriert sich die ehemalige Schweizerische Rentenanstalt wieder auf ihr traditionelles Geschäft mit Lebensversicherungen, das allerdings 2001 und 2002 auch wenig Freude machte. Seit die Schweizer Regierung auf heftigen Druck der Assekuranz die Mindestverzinsung in der obligatorischen betrieblichen Altersversorgung gesenkt hat, gibt es im Kerngeschäft aber wieder Aussicht auf Gewinn.

Der Verkauf der Gotthardbank steht seit über einem Jahr auf der Tagesordnung. Zu den Interessenten soll auch die Schweizer Großbank Credit Suisse gezählt haben. Nach der Ankündigung exklusiver Verhandlungen mit dem Konsortium um Unicredito am 20. Januar galt die Transaktion in Finanzkreisen aber schon als so gut wie abgeschlossen.

„Unsere Wertvorstellung für die Banca del Gottardo von 1,5 Mrd. Franken ist realistisch und wird auch durch das gute Ergebnis der Bank für 2003 mit einem Gewinn von 85 Mio. Franken bestätigt“, schrieb Swiss-Life-Chef Rolf Dörig gestern in einer Mitteilung. Der Versicherer hatte die Bank vor fünf Jahren für 2,4 Mrd. Franken erworben. Heute steht sie noch mit 1,45 Mrd. Franken in den Büchern.

Bei Unicredito hieß es, der Kauf wäre nur zu einem deutlich niedrigeren Preis attraktiv gewesen. Das italienische Institut hätte mit der Gotthardbank einen Fuß in den italienischsprachigen Teil der Schweiz bekommen. Außerdem hätte es das Geschäft mit reichen Kunden ausbauen können. Gottardo verwaltet knapp 40 Mrd. Franken und gehört damit zu den mittelgroßen Schweizer Vermögensverwaltern.

„Nach den langwierigen Verhandlungen ist dieser Ausgang auf kurze Sicht sicher eine schlechte Nachricht“, sagte Stefan Schürmann vom Schweizer Bankhaus Pictet. So sah es auch die Börse. Die Aktie von Swiss Life gehörte gestern mit einem Minus von einem Prozent auf 238,50 Franken zu den Tagesverlierern an der Züricher Börse. Unicredito legten 0,5 Prozent auf 4,20 Euro zu.

Schürmann wies aber darauf hin, dass Swiss Life unter dem Aspekt der Solvabilität ihres Versicherungsgeschäfts nicht mehr unter Druck sei, rasch zu verkaufen. Die Versicherung steht auch dank des Aufschwungs an den Aktienmärkten deutlich besser da als noch vor einigen Monaten befürchtet. „Mögliche Alternativen sind ein Börsengang, der Verkauf einzelner Bereiche oder auch, die Einheit ganz zu behalten“, sagte der Analyst.

Zitat:

„Unsere Wertvorstellung für die Bank ist realistisch“ – Rolf Dörig, Swiss Life

Quelle: Financial Times Deutschland


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