Hannover Rück verspricht Rekordserie

Weltmarkt-Vierter sagt kräftige Gewinnsteigerung bis 2005 voraus · Vorsichtiges Vorgehen bei Schaden und Unfall

Von Herbert Fromme, Hannover Die Hannover Rückversicherung hat weitere kräftige Gewinnsteigerungen für 2004 und 2005 vorausgesagt. Die Basis für so viel Selbstbewusstsein bei Vorstandschef Wilhelm Zeller ist ein ausgezeichnetes Jahr 2003, in dem der viertgrößte Rückversicherer der Welt 355 Mio. Euro nach Steuern verdiente, verglichen mit 267 Mio. Euro im Vorjahr.

„Wir erwarten für 2004 einen Jahresüberschuss von 390 bis 430 Mio. Euro“, sagte Zeller. Im Jahr 2005 werde der Gewinn noch einmal zweistellig zulegen. Nur zwei Ausnahmesituationen könnten das verhindern: ein erneuter Börsencrash oder Mammutschäden in der Rückversicherung, die deutlich über die langjährige Belastung von durchschnittlich fünf Prozent der Beitragseinnahmen hinausgehen.

Das Unternehmen gehört zu 51,2 Prozent der Talanx-HDI-Gruppe, die sich neben der Rückversicherung vor allem mit der Industrieversicherung befasst. Im Februar hatte die Talanx 20,6 Prozent an den Markt gebracht und damit den heutigen Anteilsstand erreicht. Die Kontrolle über die Hannover Rück will Talanx nicht aufgeben, aber die freien Aktionäre und der Kapitalmarkt spielen für die Hannover Rück eine noch größere Rolle als vor dem Februar, als der HDI noch 71,8 Prozent hielt.

Rückversicherer helfen Erstversicherern, die direkt mit Endkunden Geschäfte machen, bei der Abdeckung von Groß- und Katastrophenrisiken. Das Geschäft ist kapitalintensiv, international und notorisch volatil – Phasen hoher Preise im Gefolge schwerer Schäden wechseln sich ab mit Niedrigpreisperioden, wenn frisches Geld in den Markt gekommen ist.

Seit 2000 sind die Preise kräftig angestiegen. Zellers gestrige Vorhersagen für die Gewinne der nächsten 21 Monate beruhen auf einer ausgefeilten Analyse des Verlaufs der Rückversicherungsmärkte. „2004 sehen wir wohl den Höhepunkt des jetzigen Rückversicherungszyklus“, sagte er. Das heißt: Danach beginnen die Preise wieder zu fallen, der Markt wird weicher. Allerdings bedeute das nicht, dass die Hannover Rück sofort schlechtere Ergebnisse vorweisen werde. Da gebe es einen deutlichen Nachlauf, auf Grund der Besonderheiten der Rückversicherung und wegen der Veränderung der Bedingungen. „Für uns kommt erst 2006 das Ende des harten Marktes“, sagte der Konzernchef.

Dafür sorgt das Unternehmen mit zwei Maßnahmen: In guten Zeiten wie jetzt werden die Reserven so weit wie möglich gestärkt, in den schwächeren Jahren abgebaut. Außerdem will die Hannover Rück gezielt das Neugeschäft in der Hauptsparte Schaden- und Unfall-Rückversicherung reduzieren, wenn die Preise nachgeben. „Bis Ende des Jahrzehnts werden wir Marktanteil verlieren“, prophezeite Zeller.

Andere Gesellschaften kaufen will er nicht, sollte es zu einer Konsolidierung des Marktes kommen – mit einer Ausnahme: Lukrative Portefeuilles in der Lebens- und Krankenrückversicherung reizen die Hannover Rück.

Die Prämieneinnahmen der Gruppe gingen 2003 um neun Prozent auf 11,3 Mrd. Euro zurück. Das ist einerseits währungsbedingt, der niedrige Dollar wirkt sich aus. Andererseits hat der Talanx-Konzern die Rückversicherung neu geordnet. Bis 2002 gingen alle Rückdeckungen, die Talanx-Erstversicherer gekauft haben, über die Schwestergesellschaft Hannover Rück, die dann einen Teil an andere Rückversicherer weiterleitete. Jetzt geht nur noch das Geschäft an die Hannover Rück, das sie auch selbst behalten will. Die Schaden-Kosten-Quote, eine zentrale Kennzahl für die Branche, verbesserte sich leicht von 96,3 auf 96,0 Prozent der Beitragseinnahmen.

Der einzige Wermutstropfen in den Rekordzahlen der Hannover Rück war eine Belastung der US-Tochter Clarendon durch 37 Mio. $ EuroAltlasten aus Arbeiterunfalldeckungen. Wie auch für andere Altlasten verlangt Zeller Schadensersatz von den Vorbesitzern der Clarendon, die laut Kaufvertrag bis 120 Mio. $ haften. Die weigern sich aber zu zahlen. Die Sache ist vor Gericht.

Zitat:

„Bis Ende des Jahrzehnts werden wir Marktanteil verlieren“ – Wilhelm Zeller, Chef der Hannover Rück

Bild(er):

Hannover-Rück-Chef Wilhelm Zeller hat nur in den USA ein Sorgenkind – Novum/Walter Schmidt

Quelle: Financial Times Deutschland


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