Mannheimer beschließt Sanierungsplan

Hauptversammlung stimmt Übernahme durch Uniqa zu · Versicherungsgruppe will 2004 in Gewinnzone zurückkehren

Von Anja Krüger, Mannheim Die angeschlagene Mannheimer Versicherungsgruppe will bereits in diesem Jahr wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Das sagte der Vorstandsvorsitzende Lothar Stöckbauer bei der Hauptversammlung in Mannheim.

Der Versicherer plant nach einem Verlust von voraussichtlich 200 Mio. Euro für 2003 in diesem Jahr einen Überschuss von 116 000 Euro. Bis 2008 soll der Gewinn auf mehr als 6 Mio. Euro steigen. Voraussetzung dafür sei die vorgesehene Kapitalerhöhung im Zuge der Übernahme durch den größten österreichischen Versicherer Uniqa, sagte Stöckbauer. „Wenn die Kapitalerhöhung nicht erfolgt, ist die Insolvenz der Holding zwingend die Folge.“ Die Hauptversammlung beschloss den Sanierungsplan zwar mit einer Mehrheit von mehr als 95 Prozent. Einige Kleinaktionäre kündigten aber Anfechtungsklagen an.

Die Mannheimer Holding ist in den Abwärtssog ihres Lebensversicherers geraten, der im vergangenen Juni zusammengebrochen ist. Der Bestand der Mannheimer Leben und deren Verluste in Höhe von 193 Mio. Euro sind im September auf die Auffanggesellschaft Protektor übergegangen. Die Verlustsumme gewährte Protektor der Mannheimer Holding als Darlehen.

Das Unternehmen gehörte bislang zu 20 Prozent der Uniqa, zu zehn Prozent der Münchener Rück, zu sechs Prozent der HSBC-Tochter Inka und zu fünf Prozent Gerling. Unter den übrigen 59 Prozent waren neben klassischen Kleinanlegern auch weitere Versicherer und Rückversicherer.

Mit dem nun von der Hauptversammlung beschlossenen Sanierungsplan will die Mannheimer die Krise überwinden und die Eigentümerverhältnisse ändern. EuroDanach steckt die Uniqa 79,5 Mio. Euro in die Mannheimer und hält damit eine Mehrheit von 87,16 Prozent an der Holding. Verbunden mit der Kapitalmaßnahme ist eine Ablösung des Protektor-Darlehens für 25 Mio. Euro, auf den Rest des Geldes will die Auffanggesellschaft verzichten.

Einige Aktionäre forderten bei der Hauptversammlung vehement eine Beteiligung der Kleinanleger an der Kapitalmaßnahme. „Es kann nicht sein, dass die Aktionäre die Hauptlast bei der Entschuldung tragen, aber künftig geringere Renditen bekommen“, sagte Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre. Durch die Kapitalherabsetzung werden die Anteile der Altaktionäre um fünf Sechstel gekürzt.

„Wir hätten gerne ein Bezugsrecht für die alten Aktionäre gehabt, aber das Angebot sieht es nun mal nicht vor“, sagte Stöckbauer. Die Sanierung sei nur im Einklang der drei Partner Uniqa, Protektor und Mannheimer möglich. „Solange das Protektor-Darlehen besteht, halten wir es für illusorisch anzunehmen, dass Aktionäre bereit wären, weitere Anteile zu zeichnen“, sagte er.

Zwar sind die Gegner der Uniqa-Übernahme eine verschwindende Minderheit unter den Aktionären. Aber mit Klagen gegen die Beschlüsse, die aufschiebende Wirkung haben, könnten sie die Kapitalmaßnahmen verzögern und damit verhindern. Denn die Uniqa besteht laut Stöckbauer darauf, dass die Kapitalmaßnahmen bis zum 30. Juni 2004 abgeschlossen sind. Kleinaktionärsvertreter Kienle dagegen ist überzeugt, dass die Uniqa auch zu anderen als den jetzigen Bedingungen zu einer Übernahme bereit ist.

Zitat:

„Ohne die Kapitalmaßnahme ist die Insolvenz zwingend“ – Lothar Stöckbauer

Quelle: Financial Times Deutschland


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