Münchener Rück hält Krise für beendet

Aktie legt trotz Jahresverlust stark zu · Konzern hält an Tochtergesellschaft Ergo fest

Von Herbert Fromme, München Die Münchener Rückversicherung hat 2003 einen Verlust von 434 Mio. Euro produziert. Das Unternehmen musste damit zum ersten Mal seit 1906 – als ein Erdbeben San Francisco zerstörte – rote Zahlen vorlegen, lässt man die Nachkriegs-Notjahre außer Betracht. 2003 trafen den Konzern vor allem die Nachwehen der Börsenkrise, entsprechende Steuernachzahlungen, Belastungen durch die Beteiligung an der HypoVereinsbank und strukturelle Probleme bei Tochtergesellschaften. Für 2002 hatte der weltgrößte Rückversicherer noch einen Gewinn von 1,1 Mrd. Euro ausgewiesen.

Die Aktie legte dennoch gestern kräftig um 4,1 Prozent auf 91,40 Euro zu. Die Anleger waren offenbar beeindruckt von der starken Verbesserung im Kerngeschäft Rückversicherung. Trotz des Verlusts belässt der Konzern die Dividende unverändert bei 1,25 Euro je Aktie. Für das Jahr 2004 erwartet das Unternehmen eine Rückkehr in die Gewinnzone – 2 Mrd. Euro sollen es werden. Außerdem versprach Finanzvorstand Jörg Schneider in einer Telefonkonferenz ein Ende der schlechten Nachrichten wegen des Börsencrashs: „Das Thema Nachlaufbelastung aus der Börsenkrise ist durch.“

Beendet sind in München offenbar auch die Diskussionen über die Zukunft von Ergo, der Düsseldorfer Tochtergesellschaft, in der die meisten Erstversicherungstöchter gebündelt sind. „Die Münchener Rück steht zur Ergo, ohne Wenn und Aber“, sagte Schneider. Die Tochter könne nachhaltig profitabel gemacht werden. „Ergo hat die Zeichen der Zeit erkannt.“ Dort seien „energisch“ Maßnahmen eingeleitet worden.

Die Düsseldorfer Gruppe trug mit einem Verlust von 1,4 Mrd. Euro maßgeblich zu den Problemen bei. Offenbar ist der neue Konzernchef Nikolaus von Bomhard bei seiner Bestandsaufnahme aber zu dem Schluss gekommen, sich nicht von der Ergo oder Teilen zu trennen. Das ist kaum verwunderlich: In der momentanen Lage, die durch politische Unsicherheiten und eine geschwächte Kapitalbasis geprägt ist, sind weder Lebens- noch Krankenversicherer zu einem einigermaßen soliden Preis verkaufbar. Sie bilden aber den größten Teil der Ergo.

Im eigentlichen Kerngeschäft verdiente die Münchener Rück gut. Seit drei Jahren steigen die Preise kräftig, außerdem konnten die Rückversicherer Änderungen in den Vertragsbedingungen zu ihren Gunsten durchsetzen. Währungsfaktoren drückten jedoch die Beiträge um 2,6 Prozent auf 24,8 Mrd. Euro. Die Schaden- und Kostenquote verbesserte sich dank höherer Preise und geringerer Katastrophenschäden von 122,4 auf 96,7 Prozent der Beitragseinnahmen.

Auch das Schaden- und Unfallgeschäft der Erstversicherungstöchter lief gut. Hier verbesserte sich die Schaden- und Kostenquote um 3,1 Prozentpunkte auf 96,4 Prozent der Beiträge.

Probleme gab es vor allem in der Lebensversicherung. Die Gruppe musste erneut hohe Abschreibungen auf Aktien verdauen. Die Steuerentlastung der Vorjahre für die Lebens- und Krankenversicherer kehrte sich nach einer von der Assekuranz geforderten Gesetzesänderung um, die Sonderzahlungen trugen 2003 wesentlich zur Konzernsteuerlast von 1,8 Mrd. Euro bei.

Zitat:

„Die Münchener Rück steht zur Ergo, ohne Wenn und Aber“ – Vorstand Jörg Schneider

Bild(er):

Münchener-Rück-Chef, Nikolaus von Bomhard, vor dem historischen Gebäude des Konzerns in der bayerischen Landeshauptstadt – ddp/Johannes Simon

Quelle: Financial Times Deutschland


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