Oetker meldet Interesse an Reederei Hapag-Lloyd an

Konzernchef macht Eigentümer TUI Gesprächsangebot

Von Herbert Fromme, Köln Der Lebensmittel- und Schifffahrtskonzern Oetker will die TUI-Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd kaufen. „Die Hapag und wir wären das Traumgespann“, sagte Konzernchef August Oetker der Deutschen Presse-Agentur. Oetker ist bereits Besitzer der Reederei Hamburg Süd. Oetker sagte, während Hamburg Süd auf Nord-Süd-Linien fahre, sei Hapag-Lloyd im Ost-West-Verkehr aktiv, sagte Oetker. „Wir ergänzen uns fast völlig, wir überlappen uns fast gar nicht.“

TUI hatte im Januar mitgeteilt, Hapag-Lloyd in der zweiten Jahreshälfte zu einem Drittel an die Börse bringen zu wollen. Oetkers Angebot ist offenbar als Alternative gedacht. „Ich will nur sagen, wir haben Interesse. Wir könnten, wenn ihr wolltet und sind gesprächsbereit, wenn ihr sprechen wollt“, sagte Oetker. Er bekräftigte zugleich, dass der Konzern Übernahmen oder Beteiligungen nicht um jeden Preis anstrebe. „Es gibt viele Traumgespanne, die nicht zusam- menkommen.“

Hapag-Lloyd und Hamburg Süd führten bereits 1996 und 1997 intensive Fusionsverhandlungen, die sehr weit gediehen waren. Im März 1997 wurden die Gespräche jedoch abgebrochen, weil sich die Eigner nicht auf die Verteilung der Anteile einigen konnten. Oetker bestand auf der Mehrheit an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen, die damals börsennotierte Hapag-Lloyd – der größere der beiden Partner – wollte sich nicht unterordnen.

Oetker wäre wohl immer noch mit weniger als der Mehrheit nicht einverstanden. Auch TUI-Chef Michael Frenzel hatte bisher betont, die Mehrheit an Hapag-Lloyd werde bei seinem Konzern bleiben.

Schon 1997 ergaben die Gespräche, dass eine Fusion der beiden Containerreedereien Sinn ergeben würde. Das Einsparpotenzial wurde damals auf 100 Mio. DM beziffert.

Die Containerschifffahrt boomt. Hapag-Lloyd transportierte 2003 zwei Millionen Standardcontainer, ein Plus von 12 Prozent. Der Umsatz aus diesem Geschäft betrug 2,1 Mrd. Euro, dazu kamen 151 Mio. Euro aus der Kreuzfahrt. Hamburg Süd hat noch keine Zahlen für 2003 vorgelegt. 2002 beförderte das Unternehmen 775 000 Standardcontainer. Es setzte damit 1,38 Mrd. Euro um, außerdem 348 Mio. Euro mit anderen Schifffahrtsgeschäften.

Zitat:

„Wir sind gesprächsbereit, wenn ihr sprechen wollt“ – August Oetker

Quelle: Financial Times Deutschland


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