Problemkind Victoria Leben hält schwere Krise für beendet

Tochter der Münchener Rück sieht Lage normalisiert

Von Herbert Fromme, Düsseldorf Der Ergo-Konzern hat die Victoria Lebensversicherung im vergangenen Jahr mit 290 Mio. Euro stützen müssen, damit die angeschlagene Tochter für 2003 ein ausgeglichenes Ergebnis vorlegen kann. „Unsere Ausgangssituation war alles andere als fröhlich“, sagte gestern Leben-Chef Michael Rosenberg, der auch im Ergo-Vorstand sitzt. In der Ergo hat die Münchener Rück die meisten ihrer Erstversicherer gebündelt.

Die Victoria Leben hatte relativ viel in Aktien investiert: Ende 2001 immerhin 23,3 Prozent der Kapitalanlagen. Entsprechend hart wirkte sich die Börsenkrise aus. Mit stillen Lasten von 2,2 Mrd. Euro zum Jahresende 2002 galt die Victoria Leben als eines der Problemkinder des Konzerns.

Jetzt seien die Probleme gelöst, sagte Rosenberg. Der Konzern musste 1,4 Mrd. Euro auf Aktien abschreiben. Noch stehen aber 487 Mio. Euro stille Lasten in den Büchern, die vor allem von den Aktien des Vertriebspartners HypoVereinsbank stammen, an der die Victoria Leben nach dem Verkauf von 0,7 Prozent der Anteile noch 4,7 Prozent hält.

Um trotz der Abschreibungen schwarze Zahlen zu schreiben, benötigte der Lebensversicherer den Zuschuss der Mutter und musste 1,1 Mrd. Euro an stillen Reserven realisieren – durch das Verschieben von Tochtergesellschaften im Konzern, das Einbringen von Immobilien in Fonds und den Verkauf festverzinslicher Wertpapiere. Dabei seien keine Belastungen durch Geschäfte mit Banken in die Zukunft verlagert worden. „Wir haben keine überhöhten Preise bekommen“, sagte Rosenberg.

Geholfen hat die Steueränderung für Versicherer vom Dezember 2003. Sie wirkte sich mit 300 Mio. Euro positiv auf das Ergebnis der Victoria Leben aus, sagte Ergo-Vorstand Rolf Ulrich. Trotz der Krise konnte das Unternehmen seinen Neugeschäftsbeitrag um 14,8 Prozent auf 920 Mio. Euro steigern. Davon stammten knapp sieben Punkte aus erhöhten Anpassungen.

Sehr gute Zahlen legte die Schadengesellschaft Victoria Versicherung vor. Sie wuchs vor allem im Industrie- und Gewerbegeschäft und verbesserte die Schaden- und Kostenquote auf 93,2 Prozent der Beiträge nach 102,1 Prozent 2002. Der Markt verbesserte sich in dieser Zeit von 104 Prozent auf 97 Prozent. Das Unternehmen verdreifachte die Gewinnabführung an die Mutter Ergo von 100 Mio. auf 329 Mio. Euro. Hauptgrund war die Auflösung von nicht mehr benötigten Schwankungsreserven bei der stillgelegten Rückversicherungstochter Victoria Rück.

Zitat:

„Unsere Ausgangslage war nicht fröhlich“ – Michael Rosenberg, Chef der Victoria Leben

Quelle: Financial Times Deutschland


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