Swiss Re kehrt in die Gewinnzone zurück

Zweitgrößter Rückversicherer der Welt wächst schneller als Münchener Rück · Haftfpflichtgeschäft wird ausgebaut

Von Haig Simonian, Zürich, und Herbert Fromme, Köln Der weltweit zweitgrößte Rückversicherer Swiss Re hat sich nach zwei schweren Jahren mit einem überzeugenden Gewinn von 1,7 Mrd. Franken zurückgemeldet. Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch einen Verlust von 91 Mio. Franken vorgelegt. Swiss Re erhöhte die Dividende auf 1,10 Franken, nachdem sie im Vorjahr von 2,50 Franken auf 1,00 Franken gesenkt worden war – die erste Dividendenkürzung seit 96 Jahren.

Konzernchef John Coomber, der die Gruppe seit Anfang 2003 führt, setzt sich auch für die Zukunft hohe Ziele. „2003 war ein gutes Jahr“, sagte er der FT. „Wir haben das erreicht, was wir erreichen wollten. Aber genau betrachtet ist das nur ein Schritt auf einem langen Weg. Ich habe die Aufgabe, die Gewinne weiter deutlich zu steigern.“ Allerdings ist der Rekordgewinn von 2,96 Mrd. Franken aus dem Jahr 2000 kein Maßstab. „Das waren damals vor allem die Kapitalerträge“, sagte Coomber. „Unsere Ergebnisqualität ist heute besser.“

Swiss Re steht mit seinem Gewinn deutlich besser da als Konkurrent Münchener Rück, der einen Verlust von 434 Mio. Euro produzierte. Das Defizit stammte vor allem aus Belastungen von den Lebensversicherungstöchtern. Die Swiss Re hatte im Gegensatz zu den Münchenern 1995 ihre Erstversicherer verkauft und konzentriert sich seither ganz auf die Rückversicherung.

Nicht nur beim Gewinn muss sich die Münchener Rück Sorgen machen. Auch beim Wachstum wird sie von der Swiss Re geschlagen. Gemessen in Schweizer Franken, legte der Weltmarktzweite sechs Prozent auf 30,74 Mrd. Franken Nettoprämie zu. In Originalwährungen betrug der Zuwachs sogar 16 Prozent. Bei der Münchener Rück ging das Kerngeschäft in Euro um 2,6 Prozent auf 24,8 Mrd. Euro Bruttoprämie zurück, währungsbereinigt stieg es um 9,8 Prozent. Die absoluten Zahlen der beiden Konkurrenten sind noch nicht vergleichbar, weil die Münchener Rück noch keine Nettowerte vorgelegt hat, die das Prämienvolumen nach Abzug der an andere Rückversicherer weitergegebenen Zahlungen zeigen.

Besser steht die Münchener Rück bei der zentralen Kennzahl für das Schaden- und Unfall-Rückgeschäft da, der Schaden- und Kostenquote: Sie gab 96,7 Prozent der Beiträge für Schäden und Kosten aus, die Swiss Re 98,4 Prozent. Den Münchnern haben ihre Erstversicherer das Ergebnis verhagelt.

Swiss-Re-Vorstand Stefan Lippe erwartet eine Fortdauer der guten Rahmenbedingungen für sein Unternehmen. „Dafür sorgen unter anderem die verbesserten Rückversicherungsbedingungen.“ Außerdem verhalte sich der Markt diszipliniert.

Lippes zufolge baut Swiss Re das Geschäft mit Haftpflichtrisiken besonders aus – vor dem andere Gesellschaften nach schmerzhaften Erfahrungen zurückzucken. Das sei mit dem Know-how der Swiss Re möglich. Allerdings musste auch er noch 2003 schwer für Fehler der Vergangenheit bluten. Reserven für Asbestschäden erforderten eine Verstärkung um 88 Mio. Franken, Altlasten aus den Jahren 1999 und 2000 in den USA weitere 755 Mio. Franken, unter anderem aus der Managerhaftung. „Ein Teil der Schäden entfällt auf Leute, die spekuliert haben und jetzt unter der Managerhaftung ihr Geld zurückhaben wollen. Ob das überhaupt gedeckt ist, wird sich zeigen.“ Für heute gezeichnetes Haftpflichtgeschäft bestünden solche Risiken wegen der härteren Bedingungen nicht.

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Bild(er):

Das spektakuläre neue Verwaltungsgebäude der Swiss Re in London – newscast

Quelle: Financial Times Deutschland


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