Zurich Financial greift im Industriemarkt an

Versicherer will in kurzer Zeit die Nummer drei in Deutschland werden · FTD-Interview mit Konzernchef James Schiro

Von Herbert Fromme, Köln Innerhalb von drei Jahren will Zurich Financial Services von Platz fünf unter den Industrieversicherern in Deutschland auf Platz drei vorstoßen. Das sagten Konzernchef James Schiro und Manager Ivo Furrer im Gespräch mit der FTD. Furrer ist verantwortlich für das deutsche Industriegeschäft bei der Zurich.

Die Kampfansage an die Wettbewerber Allianz, Gerling, HDI, Victoria und Axa folgt einer aggressiven Expansionspolitik in den vergangenen Monaten. „Wir sind jetzt in Europa bei der Versicherung von großen internationalen Unternehmen die Nummer eins“, sagte Schiro. Im deutschen Industriemarkt habe die Gruppe in den letzten zwei Jahren ihre Prämieneinnahmen mit Großkunden auf knapp 500 Mio. Euro verdoppelt. „Unser Marktanteil stieg von fünf Prozent 2001 auf acht Prozent 2003“, sagte Furrer.

Vor zwei Jahren war Zurich Financial in einer schweren Krise. Der Börsencrash, gepaart mit einer überzogenen Expansionspolitik, führte zu einem Gewinneinbruch und schließlich zum Abgang des langjährigen Konzernchefs Rolf Hüppi. Inzwischen hat sich der Konzern zurückgemeldet – auch im deutschen Industriegeschäft. Gegen heftige Konkurrenz holte sich die Zurich zum 1. Oktober 2003 die Verträge als führender Versicherer bei Siemens und ThyssenKrupp. Wettbewerber sprechen von Dumping – Furrer weist den Vorwurf entschieden zurück. „Wir haben in beiden Fällen eine sehr komplexe Versicherungsstruktur gefunden, die den Bedürfnissen der Unternehmen entspricht. Billigpreise spielten keine Rolle.“

Dass es bei ThyssenKrupp am 26. November, knapp acht Wochen nach Vertragsbeginn, zu einem Großfeuer kam, stört Furrer nicht. „Wir wissen, dass die Stahlindustrie eine komplizierte Branche ist.“ Ohnehin sei der Schaden viel kleiner als zunächst erwartet. Kurz nach dem Großfeuer hatten die Versicherer unter Führung der Zürich 120 Mio. Euro zurückgestellt. Jetzt soll der Schaden für die Assekuranz nur noch rund 20 Mio. Euro betragen. Furrer wollte zu der Zahl allerdings nichts sagen.

„Entscheidend ist die neue Struktur der Deckung“, sagte er. „Dazu gehört, dass der Kunde eine Selbstbeteiligung von 30 Mio. Euro hat. Das ist eine der größten Selbstbeteiligungen im deutschen Markt.“

Die Zurich habe das starke Wachstum nicht auf Kosten der Profitabilität erreicht, sagte Furrer. 2001 musste das Unternehmen für jeden Prämien-Euro im Industriegeschäft 1,57 Euro für Schäden und Kosten aufwenden. Diese „Combined Ratio“ von damals 157 Prozent fiel bis 2003 auf rund 95 Prozent, so Furrer.

Schiro glaubt nicht, dass die Versicherungsmärkte schon bald wieder in Richtung Niedrigpreise drehen. „Wenn man sieht, dass wenige Großschäden im Bereich Energie in nur einem Monat zu versicherten Schäden von 1 Mrd. $ führten, könnten die Preise auch sehr schnell nach oben gehen.“ Die Zürich werde jedenfalls kein Kapital für Geschäft zur Verfügung stellen, bei dem die Ertragsvorgabe nicht erreichbar sei.

Das Ziel, rasch die Nummer drei im Markt zu werden, will Schiro ohne Übernahmen oder Zusammenschlüsse schaffen. „Ich möchte den Finanzmärkten zeigen, dass wir dies Geschäft verstehen und dauerhaft Geld damit verdienen können. Das ist die Grundlage für Übernahmen. Zur rechten Zeit werden wir das Nötige tun, jetzt nicht.“

Dabei würde der deutsche Schaden- und Unfallbereich gut zum Konkurrenten HDI passen. Dieser hatte angekündigt, mit drei Unternehmen über einen Zukauf zu sprechen. Hat HDI-Chef Wolf-Dieter Baumgartl bei ihm angeklopft? „So etwas kommentiere ich grundsätzlich nicht“, sagte Schiro. „In 35 Jahren im Geschäftsleben habe ich gelernt, zu Gerüchten niemals Stellung zu nehmen.“ Die als Teil der Krisenbewältigung angekündigten Verkäufe von Konzernteilen seien inzwischen abgeschlossen.

Bild(er):

Konzernchef James Schiro verfolgt hohe Ziele für die Zurich – Reuters/Sebastian Derungs

Quelle: Financial Times Deutschland


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