Assekuranz wehrt sich gegen garantierte Rückkaufswerte

Lebensversicherer fürchten doppelten Kapitalbedarf

Von Herbert Fromme, Bad Bramstedt Die Versicherungsbranche hat heftigen Widerstand gegen die geplante Einführung von garantierten Rückkaufswerten bei Lebensversicherungen angekündigt. Der Plan ist in dem Entwurf für ein neues Versicherungsvertragsgesetz enthalten, den die vom Justizministerium eingesetzte Kommission in dieser Woche vorgelegt hat. Die Branche begrüßt den Entwurf im Grundsatz, lehnt aber einzelne Punkte vehement ab.

„Garantierte Rückkaufswerte führen zu doppeltem Kapitalbedarf für die Lebensversicherer“, sagte Günter Bost, Geschäftsführer für den Bereich Lebensversicherung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Auch würden bei stark steigenden Zinsen viele Kunden vorzeitig ihre Verträge kündigen, wenn sie zum Beispiel bei der Lebensversicherung nur 4,4 Prozent, bei anderen Anlagen aber sieben Prozent erzielten könnten. „Wenn es einen solchen Run auf die Lebensversicherung gibt, kostet das die verbleibenden Kunden viel Geld“, sagte Bost.

Rund 50 Prozent aller Lebensversicherungskunden kündigen ihre Verträge heute schon vor dem vertraglich vereinbarten Ablauf. Vor allem in den Anfangsjahren verlieren sie dabei in der Regel viel Geld: Die Versicherer ziehen von den ersten Beiträgen die Vertreterprovisionen und andere Kosten ab, die im Schnitt 5,5 Prozent der vom Kunden insgesamt zu zahlenden Beiträge ausmachen. Das Verfahren heißt „Zillmerung“.

Die Kommission schlägt vor, dass die Versicherer bei Kündigung durch den Kunden mindestens die Hälfte des schon eingezahlten Sparkapitals ohne Kostenabzug – des so genannten ungezillmerten Deckungskapitals – auszahlen müssen. Rund 80 Prozent der Beiträge fließen in den Deckungsstock, der Rest geht für Kosten und Risikoschutz drauf.

Der Berliner Versicherungsjurist Hans-Peter Schwintowski, der Mitglied der VVG-Reformkommission war, nannte die geplante Rückkaufswert-Garantie einen Kompromiss. „Sonst muss die Zillmerung ganz abgeschafft werden.“ Die jetzige Situation mit hohen Verlusten bei Kündigung sei nicht weiter hinnehmbar, sagte Schwintowski auf der Wissenschaftstagung der Verbraucherorganisation Bund der Versicherten.

Zitat:

„Die hohen Verluste bei Kündigung sind nicht hinnehmbar“ – Jurist Schwintowski

Quelle: Financial Times Deutschland


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