Münchener Rück peilt Rekordergebnis an

Verlust 2003 soll Ausrutscher bleiben · Weltmarktführer will Beteiligung an HypoVereinsbank nicht weiter senken

Von Herbert Fromme, München Die Münchener Rückversicherung prüft ihr US-Haftpflichtgeschäft mit dem Ziel, Ursachen für die Fehlentwicklungen der Vergangenheit zu finden. Der weltgrößte Rückversicherer musste in den letzten Jahren wiederholt mit hohen Beträgen die Schadenreserven wegen US-Altlasten stärken, die vor allem aus Asbest, Umweltschäden, Berufshaftpflicht und Arbeiterunfall stammten. „Es ist zu einfach, das US-Haftpflichtsystem für alle Probleme verantwortlich zu machen“, sagte Nikolaus von Bomhard, der den Konzern seit dem 1. Januar führt. Es seien auch Managementfehler gemacht worden. Das Ergebnis der Überprüfung soll im zweiten Halbjahr vorliegen. „Es könnte herauskommen, dass wir in bestimmten Geschäftsfeldern nicht mehr aktiv sind oder andere aufbauen“, sagte er. Die USA sind der größte Auslandsmarkt der Gruppe.

Von Bomhard sieht die Münchener Rück auf gutem Weg zu dem Ziel, 2004 einen Gewinn nach Steuern von 2 Mrd. Euro einzufahren. „Das wäre der höchste Gewinn in der Firmengeschichte.“ Ab 2005 will er jährlich zwölf Prozent Eigenkapitalverzinsung verdienen. Bei dem heutigen Eigenkapital wären das 2,3 Mrd.Euro.

Für 2003 musste der Konzern allerdings einen Verlust von 434 Mio. Euro melden. Dabei dämpfte die rasche Anwendung der im Dezember veröffentlichten neuen Versionen der internationalen Bilanzregeln IAS 32 und 39 den Verlust sogar noch. Sonst hätte er 880 Mio. Euro betragen, sagte Finanzchef Jörg Schneider. 2002 erzielte der Konzern einen Gewinn von 1,08 Mrd. Euro nach IAS alt – umgerechnet nach den neuen Standards wären es nur 288 Mio. Euro gewesen.

Von Bomhard sagte, 2003 sei ein „bombiges Jahr“ für das Kerngeschäft Rückversicherung gewesen. Das halte 2004 an. Mit einer neuen Abteilung für „Integriertes Risikomanagement“, die am 1. April gegründet wurde, will er Versicherungs- und Kapitalanlagerisiken austarieren.

Die Erstversicherungstochter Ergo sei ein „wesentlicher Bestandteil der Münchener-Rück-Gruppe“. Zum ersten Mal bei einer Bilanzpressekonferenz saß Ergo-Vorstandsvorsitzender Lothar Meyer neben dem Chef der Münchener Rück auf dem Podium. In den Konzernvorstand soll er aber nicht einrücken.

Die Münchener Rück ist der einzige große Rückversicherer mit einer so bedeutenden Erstversicherungstochter. Wegen der Probleme der Lebensversicherung und dem hohen Steueraufwand der Erstversicherer fiel 2003 Verlust in der Gruppe an. Mit neuer Organisation habe Ergo gute Voraussetzungen für eine Rückkehr zu profitablen Ergebnissen geschaffen, sagte von Bomhard.

2004 sollen es 150 Mio. Euro bis 250 Mio. Euro sein. Die Zusammenfassung von Rück- und Erstversicherung in einem Konzern ergebe Sinn. „Nach unserem internen Modell sparen wir 300 Mio. Euro Risikokapital“, sagte er. Bisher gebe es in dieser Frage aber Meinungsverschiedenheiten mit den Rating-Agenturen.

Die Münchener Rück werde ihren Anteil am Kooperationspartner HypoVereinsbank nicht weiter senken, sagte von Bomhard. Nach 25,7 Prozent Ende 2002 sind es jetzt noch 18,4 Prozent. Bei Fusionen im Bankensektor könnten daraus rasch zehn Prozent an einem fusionierten Institut werden. „Da wird es schon knapp mit der Unterlegung der Kooperation.“ Die Münchener Rück hält auch 9,5 Prozent an der Commerzbank, die oft als möglicher Fusionspartner der HVB genannt wird. „Wir sind nicht der Königsmacher für die Bankenlandschaft“, so von Bomhard. Die Banken hätten ihre Bilanzprobleme gelöst, nicht aber ihre Strukturprobleme.

Der Konzern zahlt trotz des Verlusts eine unveränderte Dividende von 1,25 Euro. Künftig soll die Dividende aber deutlicher die Ergebnisse und die wirtschaftliche Lage des Unternehmens widerspiegeln. „Wir können uns auch vorstellen, Kapital an die Aktionäre zurückzugeben“, sagte von Bomhard. Der Konzern wolle nicht um jeden Preis wachsen, wenn die Preise wieder schlechter seien.

Zitat:

„Die Ergo ist ein wesentlicher Bestandteil der Gruppe“ – Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard

Bild(er):

Der Chef der Münchener-Rück-Gruppe, Nikolaus von Bomhard, richtet sein Augenmerk auf die Beseitigung von Problemfeldern im Konzern – AP/Jan Pitman

Quelle: Financial Times Deutschland


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