Versicherer Axa sucht neuen Standard für Geschäftskunden

Industrie- und Gewerbegeschäft gehen zusammen

Von Herbert Fromme, Köln Der Axa-Konzern hat in Deutschland das verbliebene Industriegeschäft mit der Gewerbeversicherung zusammengelegt. „Damit schaffen wir die Voraussetzungen, das gesamte Firmenkundengeschäft zu modularisieren und damit zu automatisieren“, sagte Vorstandsmitglied Markus Hofmann. Mit standardisierten Bedingungen will der Konzern seine Kosten in diesem Feld drastisch senken.

Bisher werden die meisten Firmenpolicen in Deutschland von den Versicherern individuell für die einzelnen Kunden ausgestellt. Das erfordert in der Verarbeitung der Verträge einen hohen Arbeitseinsatz. Die Axa will dies ändern. „Wir wollen im Idealzustand erreichen, dass die Verträge völlig ohne weiteren Eingriff elektronisch verarbeitet werden“, sagte Hofmann. Es werde aber noch zwei bis drei Jahre dauern, bis diese „Dunkelverarbeitung“ erreicht sei.

Für die Kunden werde sich einiges ändern. „Für zwei Paletten mit einer bestimmten Substanz bauen wir keine Schnörkel mehr in die Bedingungen“, sagte Hofmann. Für die Beziehungen zu Versicherungsmaklern gelte: „Wer guten Service bietet, wird als Makler ordentlich verdienen. Für die Übermittlung von Name und Adresse eines Kunden gibt es keine hohe Zahlung.“

Hofmann ist mit dem Jahr 2003 äußerst zufrieden. Im Industriegeschäft nahm der Kölner Konzern 754 Mio. Euro ein. Das ist zwar etwas weniger als die 768 Mio. Euro des Jahres 2002. Aber in der damaligen Zahl waren 63 Mio. Euro Prämien der größten 154 deutschen Kunden enthalten. Sie werden seit 2003 nicht mehr von der Axa Deutschland betreut, sondern von Axa Corporate Solutions, der Pariser Axa-Spezialeinheit für Weltkonzerne. „In unserem Bereich sind wir 2003 ordentlich gewachsen“, sagte Vorstandsmitglied Hofmann.

Auch Schäden und Kosten haben sich gut entwickelt. Gemessen nach deutschen Rechnungslegungsstandard – die Axa verwendet sonst die französischen Regeln – betrug die Schadenquote 70,8 Prozent der Beitragseinnahmen, nach 78,9 Prozent im Jahr 2002. Die Provisionen sanken leicht von 16,0 Prozent auf 15,5 Prozent, die Verwaltungskosten von 13,2 Prozent auf 12,5 Prozent.

Das Gewerbegeschäft, das Hofmann jetzt ebenfalls verantwortet, umfasst 270 Mio.Euro Prämie und 230 Mitarbeiter. Im Industriegeschäft hat Hofmann den Personalbestand von 855 vor zwei Jahren auf jetzt 728 Beschäftigte gesenkt.

Hofmann ist fest davon überzeugt, dass die vergleichsweise hohen Preise noch eine zeitlang vorherrschen werden. Bis auf die Managerhaftung und andere Spezialsparten stiegen die Preise zwar nicht mehr, bröckelten aber auch nicht ab. „Die einzige Ausnahme im globalen Maßstab sind Sachdeckungen für die Fortune-500-Konzerne. Da wirkt sich die Kapazität der großen Bermuda-Anbieter negativ auf die Preise aus“, sagte Hofmann.

Zitat:

„Wir sind 2003 ordentlich gewachsen“ – Markus Hofmann, Vorstand Axa Köln

Quelle: Financial Times Deutschland


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